67 Prozent

 

Wenn ich mir jetzt, nach knapp einem Jahr seit den zaghaften Anfängen, die www.europas-mitte (Damitz auf www.ger-han.de ) ansehe, stelle ich fest, daß sie doch mehr Vergangenes enthält, als es ursprünglich meine Absicht war.

Offensichtlich ist es uns auch im Kleinen nicht möglich, konstruktiv in die Zukunft zu blicken, wenn ein Haufen unbewältigtes aus der Vergangenheit vor uns liegt.

Ohne das gemeinsame knien von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle im Dom zu Reims und –ja auch das- ohne die gemeinsame Kranzniederlegung am deutschen Soldatenfriedhof in Bitburg von Francois Mitterand und Helmut Kohl, wären wir im westlichen Europa nicht dort, wo wir heute sind.

Auch die Völker mußten erst den Schutt der Vergangenheit wegräumen, bevor sie zu konstruktivem Aufbau der Zukunft schreiten konnten.

In unserem kleinen Bereich ist es ähnlich. Auch dort liegt eine ganze Menge Schutt, der möglichst gemeinsam weggeräumt werden müsste.

Wir werden so lange die deutsche Geschichte unserer Dörfer einseitig darstellen müssen, bis die heutigen tschechischen Bewohner diese Geschichte der Dörfer, die jetzt die ihrigen sind, nicht mehr negieren und wir zu einer gemeinsamen Betrachtung kommen können.

Das wird so lange dauern, bis auch der deutsche Bundespräsident und der tschechische Staatspräsident gemeinsam vor dem Mahnmal in Lidice und vor dem Gedenkkreuz in Porlitz / Pohorelice knien oder einen Kranz niederlegen.

Ich denke, daß ein solcher Kniefall für den deutschen Bundespräsidenten keine hohe Hürde darstellen würde, er hätte sein Volk hinter sich. Für den tschechischen Staatspräsidenten wäre der Kniefall des Bundespräsidenten in Lidice sicher willkommen. Vor einem eigenen Kniefall in Pohorelice würde er wohl noch Angst haben, weil er damit sein Volk, oder große Teile davon, gegen sich aufbringen würde.

Da ist schon noch viel Aufklärungs- und Aufarbeitungsarbeit zu leisten.

Wenn in der CR nach wie vor 67% der Bevölkerung die Vertreibung ihrer ehemaligen Mitbürger deutscher Zunge für gut und richtig erachten, dann würde ich mir wünschen, daß sich diese 67% die folgende Frage stellen und sich eine Antwort darauf zu geben versuchen:

 

Warum soll die deutsche Hausfrau aus Brünn / Brno eine größere Schuld auf sich geladen haben und die deshalb als Verräter am Staat vertrieben und vielleicht getötet wurde, als der tschechische Arbeiter bei Zbrojovka, der während des ganzen Krieges brav Waffen für die deutsche Wehrmacht produzierte?

 

Man sage mir nicht, es sei Zwang gewesen.

 

Ich glaube, daß mit einer ehrlichen Antwort auf diese einfache Frage, den 67% doch Zweifel an der Richtigkeit ihrer Ansicht kommen sollten.

g.h.