Erst wenn Du in der Fremde bist,
weißt Du, wie schön die Heimat ist!

Damitz
Gedenkbuch der Gemeinde Damitz, Kreis Znaim, Südmähren.


Dorfstraße um 1940

Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Heimatbuch,
verfaßt von Edmund Wieder, Mitglied des Gemeinderates,
unter Mitwirkung der Landsleute Albine Baierl, geb. Lössl, Anna Bauer, Mathias Lohner, Ludwig Sofka, Mathilde Nechwatal geb. Siegmeth, Ernst Wieder, Andreas Zeihsel.

 

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort
Lage und Geschichte
Über unser Dorf und seine Bewohner
Unsere Gemeindeverwaltung – Schulwesen
Die wirtschaftliche Leistung unseres Dorfes
Das bäuerliche Jahr – sein Arbeitsablauf
Unser ländliches Brauchtum
Die Jagd
Der Alltag in unserem Dorf um die 20er Jahre
Unser Freibad
Seltsame Begebenheiten – seltsame Leute
Der Krieg 1866 – Die Preußen
Der Pferdediebstahl
Der Anton-Vetter
Die Tauffahrt
Sind mit der Beichte alle Sünden vergeben?
Das Kaiserjubiläum 1908
Siegmeth Richards und Huber Albins letzte Geigenstunde.
Auch schwere Zeiten gingen über unser Dorf hinweg
Der Erste Weltkrieg und unsere gewaltsame Eingliederung in die CSR
Der Zweite Weltkrieg und unsere Vertreibung
Stalingrad
DAS JAHR 1945
Die tschechischen Partisanen
Ein Opfer tschechischer Bestialität
»Damitz«, Gedicht
»Unsere Heimat«, Gedicht
Besuch in der alten Heimat
    Karten
    Die Opfer beider Weltkriege

    Verstreut in alle Winde
Dank

 

Vorwort


Liebe Landsleute!
»Wozu ein Buch über Damitz?«, so wird mancher fragen.
Hier möchte ich mit einem Mahnwort unseres südmährischen Priesters, Monsignore Ruppert Bendel, den viele von uns von seinen Festpredigten in Geislingen kennen, antworten:

Die Fremde soll uns zur Heimat werden,
aber niemals die Heimat zur Fremde!

Ein hartes Schicksal hat uns in alle Winde zerstreut. Die Generation, die unser Damitz aus eigenem Erleben kennt, trägt die Erinnerung in ihrem Herzen bis an ihr Lebensende.
Aber schon die heute Dreißigjährigen und Jüngeren und besonders alle, die nach ihnen kommen, würden bald über unsere Herkunft und das Schicksal unserer Heimat nichts mehr wissen. – Könnten wir das verantworten?

Deshalb dieses Gedenkbuch; wir sind es unserer unvergeßlichen Heimat und unseren Nachkommen schuldig.

Es wird ihnen sagen, wo ihre Vorahnen herkommen, wie sie in ihrer alten Heimat lebten, was sie geleistet haben, wie ihr Alltag ausgesehen hat – so völlig anders als heute.

Sie sollen auch wissen von der unermeßlichen Not und Verzweiflung, der totalen Hilflosigkeit, der Recht- und Heimatlosigkeit, die wir vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zu unserer Vertreibung, ein volles Jahr lang, unter dem Haß der Tschechen erdulden mußten.

Nicht Wehmut sollen diese Zeilen bringen, sondern Erinnerung an die schöne Heimat, aber auch an unser hartes Schicksal.

Dieses Buch soll es aber auch unseren Nachfahren ermöglichen, unseren kostbarsten Besitz – unsere HEIMAT – an ihre Kinder weiterzugeben.

Als Ortsvertrauensmann hörte ich in den letzten Jahren immer öfter, daß andere südmährische Gemeinden solche Heimatbücher herausgeben. So wuchs in mir die innere Verpflichtung, auch für unser Damitz ein gleiches zu tun.
Aber...., das war gerade für unser Heimatdorf nicht leicht. Wir haben keine Lehrer, Pfarrer, Direktoren oder Doktoren usw. mehr, denen wir diese schriftstellerische Arbeit hätten übertragen können. Dennoch ließ mich der Gedanke 1974 nimmer los.
So teilte ich diese Absicht beim Geislinger Treffen meinen Landsleuten mit und schrieb um diese Zeit 27 Damitzer an, mir alles Wissenswerte von daheim mitzuteilen.
Alle hielten sie mein Vorhaben für richtig, und die eingangs aufgeführten sieben Landsleute sandten mir ihre Beiträge.
Ihnen sage ich meinen herzlichen Dank!

So ging ich mit ungelenker und auch ungeübter Bauernhand selbst an die Arbeit und schrieb den ganzen Sommer und Herbst 1974 immer wieder auf, was mir aus unserem Dorfleben einfiel. Mein jüngster Bruder Ernst half mir, diese Aufzeichnungen in die richtige Form zu fassen.

Ich bitte um Nachsicht, wenn nicht alles vollkommen geworden ist. Das Buch sollte ja wegen der hohen Druckkosten nicht zu umfangreich werden.

Möge es zu einem bleibenden Kleinod in jeder ehemaligen Damitzer Familie und deren Nachkommen werden!
Vielleicht kann es auch unseren einheimischen Mitbürgern ein echtes Bild von unserer alten Heimat vermitteln.

Edmund WiederIlvesheim, Frühjahr 1975
Edmund Wieder

( Das Foto zeigt den Verfasser beim Geislinger Treffen 1981 im Kreise der Damitzer! foto: g.h.)

 

 

Damitz

LAGE UND GESCHICHTE

Unser Heimatort Damitz liegt fast in der Mitte des südmährischen Beckens, das sich vom Raum Lechwitz über Kaschnitzfeld gegen Wostitz und weiter in Richtung Pollauer Berge hinzieht.

Wegen seines fruchtbaren Humusbodens könnte man es mit Recht »die kleine Hanna« nennen.

Damitz liegt auf 200 m Seehöhe, seine Haidbergfelder (Hadl) liegen aber schon 260 m hoch.

Geologisch besteht der Unterboden aus Letten, das ist ehemaliger Meeresschlamm. Diese Schicht ist sehr mächtig, in Damitz über 90 m tief, wie die Bohrung des Bade-Brunnens zeigte. Sie soll andernorts bis zu 200 m tief sein.

Seine Nachbarorte sind im Westen Kaschnitzfeld, im Nordwesten Mißlitz, im Norden Socherl, im Osten Irritz, und Tullnitz im Süden.

Blicken wir auf die Geschichte unseres Dorfes zurück, so kommt uns das in den 30-er Jahren verfaßte Heimatbuch »Damitz« von Dr. Ludwig Wieder sehr zustatten. Er sammelte mit Sachkenntnis und viel Heimatliebe wertvolle Daten aus Quellen, die uns heute nicht mehr zugänglich sind. Diesem Buch entnehmen wir mit Dankbarkeit die nachstehende Rückschau.

In der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung liegt leider beinahe völliges Dunkel über unser Südmähren gebreitet, so daß von der Gründung unserer Orte keine Anhaltspunkte vorliegen. Sicherlich aber liegt die Gründungszeit unserer meisten Ortschaften schon 1000 Jahre von heute zurück. Ob von Deutschen oder Slawen gegründet, kann bisher niemand behaupten.

Von niedergeschriebenen Geschichtsdaten existiert die erste und älteste aus dem Jahre 1353 von Wolny, der 1835 seine »Topographie der Markgrafschaft Mähren« herausgab. Wolny schreibt im dritten Band, »Znaimer Kreis«, über Damitz von verschiedenen Grundstücksverkäufen, Schenkungen und Verpachtungen zwischen den jeweiligen Herrschaften (Grundbesitzer), die alle in den Jahren 1353 bis 1366 erfolgten. (Siehe Auszüge aus der Brünner Landtafel »Grundbuch der Herrschaften«). Weiters in Brünner Landtafel II. weitere Verkäufe, zum Teil mehrere Lahne, zum Teil ganze Ortsteile zwischen Herrschaften, Propsteien oder Stiften in den Jahren 1373 bis 1535.

 

Der Bauer war zu dieser Zeit kein Grundeigentümer. Er gehörte »dem Grundherrn« war sein »Höriger«, sein »Leibeigener«, der von dem ihm zugewiesenen Grunde nicht freiwillig wegziehen durfte, denn er war »der Scholle zugeschrieben«, mußte diese bestellen, dafür Abgaben in Naturalien und auch Geld leisten, durfte ohne Erlaubnis der Herrschaft kein Gewerbe oder einen anderen Beruf ergreifen und auch nicht heiraten. Kurz, der Bauer war »Untertan«, der der Willkür seines Grundherrn ausgetzt war, der kurzerhand auch »abgestiftet« werden konnte und der zufrieden sein mußte, wenn man mit ihm halbwegs menschlich umging.

So mußte ein Ganzlähner jährlich 156 Tage »Zug-Robot« und 26 Tage »Hand-Robot« leisten. Durch den Robot-Ablösungskontrakt aus dem Jahre 1784 wurde den Bauern die Handrobot gänzlich nachgesehen und die Zugrobot auf 38 Tage vermindert. So weiß man z. B., daß Damitz nach 1535 längere Zeit dem Markt Schattau gehörte und ein Damitzer Bauer mit Pferden jeden Montag dem Gemeinderat Schattau zur Verfügung stehen mußte (Pferde-Robot).

Unterdessen waren die Stürme der Hussitenzeit vorübergebraust (um 1430) und mit dem 30jährigen Kriege versank die Hochwelle der slawischen Bewegung.

Auch mit dem winzigen Damitz ging eine völlige und gründliche Veränderung vor. 1628 war es schon, wie es heißt, »verödet bis auf Hof und Schafstall«. Wie sah es erst 1645 aus, nachdem Torstenson mit seinen Schweden und der entarteten Soldateska in Südmähren gründliche Arbeit getan hatte. Man kann sich's ja vorstellen. Die Einwohner waren mit ihrem Vieh längst über alle Berge und in dichten Wäldern versteckt, der »rote Hahn« flog über das Schilf- oder Strohdach, Wind und Wetter besorgten das übrige an den Lehmmauern und solch ein Dörfchen war dem Erdboden gleich.

Aber den Herren erging es nicht anders, sie waren ja auch vertrieben; sie waren ja aufständisch und nicht katholisch. Der kaisertreue und katholische Adel tritt auf den Plan und erwirbt, billig und massenhaft, die konfiszierten Güter der böhmischen Stände. Für Damitz kommt das Stift Klosterbruck in Betracht. – Damitz und Mißlitz sind separat dem Kloster Bruck verkauft worden. Auf den Verkauf beziehen sich folgende Urkunden: 31. Dezember 1665 – Neuhaus – Renata Maria Gräfin Slawata verkauft dem Kloster Bruck das Gut Damitz und Sucherle um 9000 Gulden....

Wenn jetzt Kloster Bruck als Kulturbringer und Wiederaufbauer von Damitz auftritt, so hat es Leute gebraucht, und zwar verläßliche und bekannte Leute; also Leute vom Thajaboden und der nächsten Umgehung. – Meine Vermutung, daß alle früheren Damitzer durch das Kloster Bruck vom Thajaboden nach dem heutigen Damitz kamen, wurde gestärkt, als ich bei der Durchsuchung der Kirchenbücher des Thajabodens die gleichen Namen fand, die zum Teil heute noch in Damitz vorkommen. So Bauer, Hahle, Kornherr, Seethaler, Zeißel, Wieder, Huber usw. Man muß wissen, daß mit Leibeigenen kein Wesens gemacht wurde. Sie wurden einfach ein Stück weiter verschoben, wie das liebe Vieh.

Aber wie kamen sie zu Besitz? Nach Wrbka (Heimatforscher Znaim) ist der Bauer sozusagen in seinen Besitz hineingewachsen. Das Pächterwesen war schon seit Römerzeiten in Brauch und auch die Grundherren von Damitz machten es sich mit der Bewirtschaftung ihrer Lahne durch Verpachtung bequemer. So wurde der verläßliche Pächter mit der Zeit Erb-Pächter, kaufte sich bei Gelegenheit los und wurde Eigentümer.

Klosterbruck tritt also als Kulturfaktor auf, und zwar in katholisierender und germanisierender Hinsicht, und das neuerstandene Damitz ist katholisch und deutsch. Von den Alt-Damitzern ist uns bezüglich Konfession und Nationalität nichts bekannt.

Wir finden alsbald auch geordnete Besitzverhältnisse, und da kann ich den Damitzern sogar mit etwas Besonderem aufwarten, das ist das
Verzeichnis der im Lahnregister vom Jahre 1672 angeführten ältesten Ansassen des Dorfes Damitz.

  1. Hans Huber
  2. Andreas Huber
  3. Filipp Kuller, vor (Vorwirt) vor Simon Huber
  4. Jakup Pauer
  5. Simon Saltzmann, vor Markus Kubik
  6. Georg Felsch, vor Jakob Wagner
  7. Pavel Anderle
  8. Veit Hoffner
  9. Paul Schubert, vor Adam Hoffner
10. Jakob Spazierer, dessen Grundstell 1656 erlassen worden
11. Simon Riedler, vor Thoma Ridler
12. Jakob Anderle
13. Thomas Hoffner
14. Hans Georg Gruber, vor Matej Sat
15. Michel Brandstätter, vor Michel Majsl
16. Mathias Hawlo, hat die alte Ödung des Bartl Handler 1657 übernommen
17. Matej Janoß, hat die alte Ödung des Wenzel Hoffmann 1657 angenommen
18. Jakob Hundertacker, hat die alte Ödung des Hans Anderle 1668 angenommen
19. Mathes Kubyk, ist 1658 Soldat worden, der Grund bleibt öd
20. Lorenz Wagner
21. Jirik Kratky
22. Mathias Schraml, ist 1656 ausgelassen worden
23. Fuhreißen
24. Mertl Anderle
25. Hans Sackl
26. Nickl Anderle
27. Adam Heyna
28. Antonin
29. Adam Heyna oder Jiric
30. Item zwei, somit Namen
31. nicht benendt können werden.

Die Zahlen sind zugleich die Hausnummern. Wir finden 31 Lahne, wie sie noch immer bestanden; denn die Damitzer waren so gute Wirtschafter und so konservativ, daß trotz der 1868 gestatteten Güterzerstückelung die alte Einteilung aufrecht blieb. Die Genannten waren auch rechtmäßige Besitzer ihrer »Rustikalgründe« (Bauerngründe). Die »Dominikalgründe« waren die später – gelegentlich der Erleichterung des Abhängigkeits-Verhältnisses – in den Besitz der Bauern gelangten Herrschaftsgründe.

Im folgenden bringt der Verfasser auch den Theresianischen Kataster der Herrschaft Kloster Bruck aus dem Jahre 1653 für die Gemeinde Damitz, aufgeteilt in Fünfviertel-Lahner, HaIb-Lahner, Kleinhäusler ohne Acker, auf obrigkeitlichem Grund (»Hofstätten«) und Inleute unbehaust.

Aus Platzgründen sei hier aber nur der nächste, der
Josefinische Kataster der Gemeinde Damitz vom Jahre 1782 angeführt.

Haus   Joch Klafter
Joh. Math. Bauer     60 864
Georg Widder 56 1236
Andreas Hanak 22 878
Wenzl Lodner 30 1580
Andreas Marziny (Dorfschmiede) –  413
Anton Kunrad 29 1347
Franz Totz 55 1312
Johann Hauer 22 732
Jakob Anerle 28 121
10 Johann Slowacek 22 278
11 Leopold Bauer 32 427
12 Andreas Haburka 54 118
13 Paul Huber 54 588
14 Johann Hoburka –  1147
15 Philipp Fälsch –  351
16 Joseph Necas –  1277
17 Hermann Tofl –  1197
18
 
Ferdinand Eschler
Wittib Hawim
4
1
–  
1165
19 Mathias Hawle –  1434
20 Gallus Zeisel –  718
21 Maria Wienerin –  147
22 Margaret Horkin 1 283
23 Johann Huber 57 1169
24
Jakob Sieber
Leopold Bauer
57
1
216
1114
25 Johann Kornherr 56 686
26 Andreas Huber 23 1272
27 Andreas Donner 25 925
28
Georg Oman
Barbara Viechin
26
– 
1179
460
29 Andreas Widder (seit ca 1775) 24 160
30 Mathis Hauer 1 980
31 Paul Negger –  344
32 Halterhaus (jetzt Schule) –  271
33
Maria Kaufleitnerin
Anton Kaufleitner
– 
– 
776
750
34 Jakob Nowak –  1099
35 Georg Bauer –  386
36 Wenzl Hoburka –  337
37 Anna Huberin –  784
38 Florian Hofner –  917
39 Andreas Bauer 23 829
40 Johann Zeisel und Maria Zeislin  55 998
41 Georg Huibner 50 1434
42 Mathis Hanak und Johann Huibner 58 1332
43 Andreas Huiber –  395
44 Wittib Hauerin (Bauerin?) 58 1343
45 Mathis Glas 23 932
46 Joseph Hanak 56 750
47 Georg Hawle 58 469
48 Lorentz Hofner 59 294
49 Lorentz Schemsche 22 680
50 Jakob Spazirer –  797
51 Mathis Job. Bauer –  468
52 (Besitzer von Nr.1) 53 789
53



Michel Hanak (Gasthaus)
Anna Glasin
Anna Bauer Waise
Josepha Bauerin
Hofnerische Waisen
Juliana Hofnerin
– 
– 
– 
– 
2
766
340
941
1424
2
337

In der Geschichte von Damitz ist jetzt eine lange Zeit der friedlichen Entwicklung, denn kaum wird dieses Dorf von den großen politischen Ereignissen – Türkengefahr usw. – berührt. Ja, es wird besser, es winkt die Freiheit. Maria Theresia schränkte Zehent und Robot ein und Josef II. hob die Leibeigenschaft ganz auf.

Mit der Säcularisierung (Auflösung der Klöster) im Jahre 1784 fällt deren Grundbesitz an den k.u.k. Religionsfond. Dieser verkauft 1824 Damitz an Dr. Josef Edlen von Hopfen für 130000 Gulden ...

Bisher war Damitz in allen politischen, administrativen, gerichtlichen und kulturellen Angelegenheiten an Mißlitz gebunden. Dort war der gestrenge und gefürchtete »Oberamtmann«. Der Religionsfond teilt Damitz dem Irritzer Pfarrsprengel zu, ebenso werden die Kinder in die Irritzer Schule geschickt; vorher genossen sie wohl gar keine Schulbildung.

Als im Jahre 1799 die Insassen von Kaschnitzfeld der Obrigkeit den Zins zu leisten sich geweigert hatten, wurden sie bestraft und die von der Obrigkeit eingezogenen Gründe als Frei-Grundstücke meistbietend verkauft, so daß diese Ansiedlung 1846 nur 128 Metzen unmittelbare Acker, nebst 5 Joch Gärten besaß. Die Damitzer erfaßten diese Gelegenheit, ihren Grundbesitz zu vermehren. Die »Kaschnitzer Acker« zählen bekanntlich zu den besten. Damitz kam überhaupt zu großem Wohlstand und galt später als die steuerkräftigste Gemeinde des Bezirkes.

Die Franzosen hatten 1809 (napoleonische Kriege) ihr Lager zwischen Hosterlitz und Guldenfurt aufgeschlagen, und zwar durch 4 Monate, Damitz also mitten eingefangen. Selbstverständlich waren auch 1805, vor der Schlacht von Austerlitz, die Franzosen da, sowie auch die verbündeten Russen. Ungebetene Gäste!

Hierzu aus mündlicher Überlieferung meiner Großmutter. Die Franzosen seien Feinschmecker gewesen. Napoleon soIl einmal in der Irritzer Pfarre übernachtet haben. Die Russen aber seien Viel-Esser gewesen. Ganze Kessel Brein (Kascha) hätten ihnen die Hausfrauen kochen müssen. Die Preußen hingegen seien freundlich gewesen, hätten ihnen sogar von ihren eigenen Sachen gegeben.

1821 kam es zum Bauernaufstand in Südmähren. Die Ursachen des Aufstandes lagen darin, daß trotz der von Maria Theresia und Josef II. getroffenen Maßnahmen der Bauer weiter ziemlich unfrei und bezüglich der Robot der Willkür der Grundherrschaften und ihrer Beamten ausgeliefert war.

Der Aufstand brachte keinen Erfolg. Erst 1848 erreichte der Bauernbefreier Hans Kudlich endlich die Abschaffung aller Fronen. Dem ersten Bürgermeister von Damitz, Andreas Kornherr, hat Hans Kudlich 1848 in Brünn selbst gesagt, er solle, wenn er heimkomme, sogleich austrommeln lassen, daß kein Zehent mehr abgeführt wird.

Hans Kudlich erntete aber wenig Dank, denn »man hätte den Zehent leichter entrichtet, als die heutigen Steuern«, die schon in den 80-er und 90-er Jahren unerschwinglich erschienen.

1866 kamen die Preußen, sie wurden allgemein als huMarie Feinde bezeichnet.

Soweit der leider aus Kostengründen sehr stark gekürzte Auszug aus dem Heimatbuch »Damitz« von Dr. Ludwig Wieder.

Dr. Wieder war Arzt in Schattau bei Znaim, später in Alt Schallersdorf bei Znaim, und in seiner Freizeit leidenschaftlicher Heimat- und Mundartforscher. Auch er mußte erleben, wie Tschechen all sein umfangreiches Schrifttum, das er mühsam zusammengetragen hatte, vor seinen Augen zerrissen und verbrannten. Viel Unersetzliches ging damit für immer verloren.

Dr. Wieder starb 1951 im 81. Lebensjahr in Ellhofen bei Heilbronn, wo er seine letzten Lebensjahre bei seinen Kindern verbrachte.

Kriegerdenkmal

Schule

 

 

ÜBER UNSER DORF UND SEINE BEWOHNER

 

Damitz ist ein langgezogenes Dorf, in seiner Länge geteilt durch den Damitz-Bach, der von Mißlitz durch Damitz in Richtung Irritz fließt. In ähnlicher Richtung verläuft auch die Bezirksstraße.

Vier Brücken und drei massive Stege verbanden die beiden Ortsteile miteinander. Der Damitz-Bach wurde 1913/14 reguliert. Er war infolge der geringen Niederschlagsmenge in Südmähren – öfter unter 500 mm im Jahr – in manchem Sommer ausgetrocknet.

Die Durchgangsstraße war die Hauptstraße, weitere Dorfteile waren die Badgasse, früher Bockzeile genannt – nach dem dort stehenden Halterhaus – die Keller- oder Tullnitzerstraße, das "Wingl", die Grünau und das Dörfl (siehe Lageplan). Unser Dorf hatte in jedem Ortsteil (außer Hauptstraße) einen großen Rasenplatz (Wasen), für unsere vielen Kinder ein ideales Spielfeld, das sie im Frühjahr mit den Gansln teilten.

 

1945 hatte Damitz 547 Einwohner, 1930 waren 92 % Deutsche, 1910 waren es noch 97%. Die wenigen Tschechen waren vor allem auf der Station Mißlitz, die ja auf Damitzer Grund stand, und an den Bahnwärterhäuschen; sie wurden dort nach 1918 planmäßig eingesetzt.

Diese Einwohner lebten zuletzt in 147 Häusern, 1910 waren es 110 Häuser.

Die größeren Bauernhöfe hatten allgemein die gleiche Form eines langgestreckten Rechteckes von 70 bis 100 m Länge und 18 bis 30 m Breite. Zur Straße mit der Breitseite die Wohngebäude mit anschließender überdachter Toreinfahrt. Nach hinten schlossen sich auf der rechten Seite die Stallungen an, Pferdestall, Kuhstall und Schweinestall. Vor diesen ein Gang, »die Trettn«, der Misthaufen und ganz links die Durchfahrt. Ein großer Schuppen für Wagen und Maschinen trennte den Vorderhof vom Hinterhof (Stollhof). Der Hinterhof, fast ebenso groß wie der vordere, war teilweise Garten, teilweise Druschplatz. Auch der Strohschober, die Schnitzelgrube und das nicht verarbeitete Holz hatten hier ihren Platz. Abgeschlossen wurde dieser hintere Hof durch die Scheune.

Damitz bewirtschaftete eine Fläche von 885 Hektar, rechnet man die »Oberländer« dazu, dann fast 1000 Hektar. Davon waren ca. 5 ha Weingärten und etwa 15 ha Obstgärten und Baumstücke. Genutzt wurde diese Fläche ausschließlich ackerbaulich, es gab keinen Wald und kaum Wiesen. Also ein reines Bauerndorf mit Intensivbetrieb.

In den letzten Jahren vor der Vertreibung bearbeiteten diesen Boden
16     5/4-Lahner (= 150 Metzen + Frei-Äcker, zusammen rund 200 Metzen)
14     1/2-Lahner (= 80 Metzen + Frei-Äcker, zusammen rund 100 Metzen)
12     1/4-Lahner (35 – 40 Metzen)
zusammen mit den Häuslern, die fast durchwegs bei den Bauern beschäftigt waren.

 

Hier sei erwähnt, daß das gegenseitige Arbeitsverhältnis immer ein gutes war. Ein mündlicher Vertrag, meist kurz vor Jahreswechsel abgemacht, sicherte den Häuslern und deren Familien einen Arbeitsplatz für das kommende Jahr und den Bauern die notwendigen Arbeitskräfte. Die Älteren arbeiteten als Tagelöhner oder Drescher, die Jüngeren als Mägde und Knechte. Die Leute arbeiteten oft viele Jahre am gleichen Hof. Der Bauer wurde nur mit »Hausherr« angesprochen und nicht mit »Herr Zeisel« oder »Herr Sieber« usw., der Tagelöhner mit »Hanak-Vetter« oder »Stolz-Basl«.

Die größeren Bauern wirtschafteten mit zwei Paar Pferden, die Halblahner mit einem Paar, die Viertellahner meist mit Kuhgespann. Die Häusler, die meist auch etwas Feld hatten, liehen sich das Gespann vom Bauern.

Das Handwerk war diesen bäuerlichen Bedürfnissen ganz angepaßt. Es gab einen Schreiner, 2 Schmiede, 3 Schlosser, 3 Schneider, 2 Schneiderinnen, einen Schuhmacher, eine Bäckerei, zwei Gastwirtschaften (eine davon am Bahnhof Mißlitz), einen Wagner, eine Holz-Kohlen-Handlung mit Zimmerei (ebenfalls am Bahnhof), einen Fuhrunternehmer, eine Ziegelei. Die meisten von ihnen hatten noch nebenbei etwas Feld.

 

Die Wasserversorgung. Sie wurde ab 1905 durch den arthesischen Brunnen, den Guttmann Norbert in seinem Hof bohrte – 85 m tief – , besser. Vorher waren wir auf die 4 öffentlichen Pumpen angewiesen, im Dörfl, auf der Bockzeil, bei den Preßhäusern und auf der Roßweide. Die letztere hatte das beste Wasser, es wurde oft in Fässern zum Wäschewaschen geholt.

1930/31 kam im Zuge des Bad-Baues der zweite arthesische Brunnen – 91 m tief mit 13 Sek.-Litern – dazu. Für das Vieh und sonstigen Gebrauch hatte noch jeder Bauernhof seinen eigenen Brunnen mit Holzpumpe.

Das Trinkwasserholen besorgten meist die Schulkinder oder am Abend die Erwachsenen, wenn sie vom Milch-Abliefern heimgingen.

 

UNSERE GEMEINDEVERWALTUNG   –  SCHULWESEN

Über die Amtszeit der Bürgermeister der früheren Zeit fehlen alle Unterlagen, und ich konnte trotz Rückfragen bei älteren Landsleuten keine genaueren Angaben erhalten.

Die Dorfverantwortlichen

Der letzte Richter war Zeißel Andreas im Winkel vor 1830. Der erste Bürgermeister Jakob Kornherr Nr.25. Er ließ die Gemeindekanzlei 1855 bauen, die Marterstatue errichten und hat den Damitzern 1848 die Aufhebung des Zehent verkündet (siehe geschichtlicher Teil).

Siegmeth Johann Nr.45, Hanak Anton Nr.23, Bauer Johann Nr.1. Er hat 1894 die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Cyrill Zeißel Nr.40 ab 1906 bis 1924. Er war zugleich Landtagsabgeordneter.

Franz Wieder Nr.2 bis 1931, Johann Bauer Nr.26 bis 1936, und unser letzter Bürgermeister Jakob Schmid von 1936 bis zur Vertreibung.

Zum Besitz unserer kleinen Gemeinde gehörten:

 

Die Volksschule mit Lehrerwohnung. Sie wurde 1882 erbaut.

Die Gemeindekanzlei,

das Gemeindehaus auf der Bockzeile.

Hier wohnte der Halter (Farrenwärter) und die Ortsarmen; auch ein Quarantänezimmer befand sich hier, und in früheren Jahren die Wohnung für die Handarbeitslehrerin (Strickfräulein).

Diesem größeren Haus schlossen sich Stallungen und Scheune an. Hier wurden 2 Zuchtstiere, 2 Zuchteber und 2 Ziegenböcke gehalten.

Das Feuerwehrhäusl.

Die Feuerwehr hatte seit ihrer Gründung 1894 bis 1937 nur eine Handspritze und einen Hydrephor, seit 1938 eine Motorspritze. Wenn ich mir überlege, daß vor der Jahrhundertwende die meisten Häuser und Scheunen strohgedeckt waren, dann ist es nicht verwunderlich, wenn bei einem Feuer gleich das halbe Dorf abbrannte, wie am 29.1.1882.

Der Glockenturm: er war unser bescheidenes Wahrzeichen,

Er trug die Jahreszahl 1822,

eine Brückenwaage,

die Milchsammelstelle seit 1936.

Einen Kindergarten gab es erst seit 1938, zuerst im Haus Nr.50, später in Nr.27.

Die Gemeinde besaß auch eine Windfege, eine Ringelwalze, einen Kunstdüngerstreuer und eine Obstbaumspritze. Diese Dinge konnte jedermann ausleihen. Die 15 ha Feld, die im Gemeindebesitz waren, wurden meist an Kleinhäusler verpachtet.

 

Zum Bild unseres Dorfes und unseres Feldgebietes gehören auch die verschiedenen Kreuze als religiöse Wahrzeichen.

Irritzer Kreuz
Farbfoto g.h. 10/2000

An der Straße gegen Irritz das steinerne Kreuz. Es hat auf seiner Tafel die Jahreszahl 1799 und als Gründer den Namen »Nachbar Andl«.

Die Marter am Ortsausgang nach Socherl wurde vom ersten Bürgermeister Jakob Kornherr etwa um 1850 errichtet. Man darf vermuten, daß es wohl eine Gedenkstätte für die Cholera-Verstorbenen war. Diese Seuche grassierte bei uns in den Jahren 1831 bis 1855.

 

Ahnlich das Kreuz gegen Tullnitz.

Das Kreuz an der Straße gegen Mißlitz, wo der Feldweg nach Kaschnitz abzweigt, wurde 1907 von Johann Wieder Nr. 39 errichtet. Ihm ist damals sein 7-jähriger Sohn nach dem Genuß von Marillen und Wasser verstorben. Dort hielten die Drei-Eichen-Wallfahrer am Hin- und Heimweg an und beteten.

Das Kreuz an der Mißlitzer Straße.
foto g.h. 10/2000

Das Kreuz an der Mißlitzer Straße wurde dem früh verstorbenen Rudolf Huber erstellt.

Das Sieber-Kreuz am Hofstattweg trägt die Jahreszahl 1773. Die Antoni-Statue auf den Haidäckern trägt die lateinische Inschrift

»Venerat ioni et honori sancti antonii georgius Hoffn(er) Damicensi

.X.csCI«

zu deutsch: »Zu Lob und Preis des hl. Antonius hat errichtet Georg Hoffner, ein Damitzer«.

Die Antoni Statue habe ich nicht gefunden, ich erinnere mich an diese Statue, sie wurde mit sicherheit weggeräumt! g.h.

Ein Georg Hoffner ist 1753 laut Tileresianischer Kataster 5/4-Lahner in Damitz Nr.8. Dieser kann der Gründer gewesen sein.

Unsere Volksschule, die an der Haupstraße lag, wurde 1882 erbaut und 1912 durch eine zweite Klasse erweitert.

An dieser Stelle verdient der erste Schulleiter und spätere Oberlehrer, Johann Zacpal, Dank und Anerkennung für eine fast lebenslange Dienstzeit, in der er allein eine Klasse mit 70 bis 100 Kindern in drei verschiedenen Abteilungen unterrichten mußte. Erst mit der zweiten Klasse kam Willibald Schenk als zweiter Lehrer nach Damitz. Er war jung und sehr beliebt. Aber zu dieser Zeit war unser alter Herr Oberlehrer mit seinen Nerven schon fast am Ende. So ist mir noch in Erinnerung, wie er während des Unterrichts auf die rückwärts schwätzenden Buben einmal die Geldbörse, ein andermal den Schlüsselbund und ähnliches warf.

Alle Schüler, die sich weiterbilden wollten, mußten in die Bürgerschule nach Mißlitz oder nach Kromau. Nach Mißlitz war es oft ein beschwerlicher Weg auf sehr schlechter Straße, besonders im Winterhalbjahr. Dort war auch nachmittags Unterricht, so daß die Schüler im Winter im Dunklen fort mußten und erst wieder im Dunklen heimkamen.

Trotz dieser einfachen schulischen Verhältnisse gab es um 1890 schon 5 Akademiker:

Thomas Bauer, k.u.k. Polizeinspektor in Wien,
Johann Hawle, k.u.k. Hofrat in Wien,
Ernst Kornherr, Rektor in Baden bei Wien,
Johann Hanak, Finanzinspektor in Leitmeritz,
Dr.med. Ludwig Wieder, in Schattau bei Znaim.
Kirche und Pfarrei waren in Irritz, ebenso der Friedhof.

Zur Gemeinde gehörte auch die Jagd. Mehr darüber ist im Kapitel »Unser ländliches Brauchtum« zu lesen.

 

DIE WIRTSCHAFTLICHE LEISTUNG UNSERES DORFES

 

Der allgemeine technische Fortschritt machte auch vor Damitz nicht halt.

Von besonders weittragender Bedeutung war hier der Bau der Eisenbahn Brünn–Grusbach–Wien. 1870 fuhr der erste Zug.

Aber noch mehr wirkte sich der wohl mit dem Eisenbahnbau zusammenhängende Bau der Zuckerfabriken Grusbach und Pohrlitz um die Jahre 1880 aus.

Das bedeutete das Ende der bis dahin betriebenen Dreifelder-Wirtschaft (jedes 3. Jahr blieb der Acker in Brache), bei sehr geringem Viehbestand. Die bis dahin betriebene Schafzucht hörte damit auf. Der Zuckerrübenbau erforderte die volle Ausnützung der Ackerfläche und brachte gleichzeitig durch seine Nebenprodukte – Rübenblätter, -schnitzel und Melasse – wertvolles Viehfutter und dadurch einen mehrfachen Rindviehbestand und erhöhte Milcherzeugung.

Die ersten Sämaschinen waren schon vor 1900 in Gebrauch. Noch in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg waren die Mähmaschinen bereits verbreitet und ab 1909 kamen die ersten Selbstbinder ins Dorf. Im Jahre 1910 gab es 5 davon, in den 40-er Jahren schon 21, und auch 5 Traktoren.

Das war schon eine ganz wesentliche Erleichterung während der Ernte.

Dampfdrusch
1929, Haus Nr. 23

Ahnlich war der Fortschritt beim Drusch. Vor 1914 besorgten 3 Dampfkessel-Dreschgarnituren den Drusch für einen Großteil der Bauern. Sie gehörten Franz Bauer, Anton Hanak und Cyrill Zeißel. Vorher, aber noch zu dieser Zeit, spielte auch der Göpel-Drusch noch eine wichtige Rolle. Mit ihm wurde das Korn in die Scheune eingefahren: Getreide in den frühen Wintermonaten gedroschen. Sowohl Göpel wie Dampfmaschine wurden bald darauf durch die etwas kleineren Dreschgarnituren mit Benzinmotor abgelöst. Auch dieser letztere hatte noch mancherlei Mucken.

Mit der Elektrifizierung 1931 kamen die Elektro-Motoren in jeden Bauernhof. Sie betrieben nicht nur die Dresch-, sondern auch mehrere andere landwirtschaftliche Maschinen, z. B.Häckselmaschine, Kleereiber u. ä.. Anfängliche Schwiengkeiten durch Stromnetz-Uberlastung während der Druschzeit – es konnten nicht alle Bauern zugleich dreschen – wurden bald danach, durch den Bau der Frainer Talsperre als zusätzlichen Energiespender, behoben.

Neben diesem technischen Fortschritt konnte sich auch die wirtschaftliche Leistung unseres Dorfes sehen lassen.

 

Zeißel Andreas gibt mir für die letzte Zeit vor der Vertreibung folgende Zahlen:

   Jährliche Ablieferung:
      Milch 280000 bis 300000 Liter – ohne Eigenverbrauch.
      Weizen 280 bis 333 Tonnen zu 1000 kg.
      Gerste 250 bis 300 Tonnen zu 1000 kg. Diese war     als beste Braugerste besonders gesucht.
      Kartoffeln 250 Tonnen zu 1000 kg.
      Zuckerrüben 2110 Tonnen zu 1000 kg,
         letztere mit einem besonders hohen Zuckergehalt von 20 % in normalen Jahren.

Durch den Zuckerrübenbau kam zusätzlich auch der Klee-Anbau zum Zuge. Er brachte nicht nur eine gesunde Fruchtfolge, sondern neben den bereits erwähnten Rübenabfällen weiteres wertvolles Futter für alle Haustiere.

Neben diesen Hauptfrüchten wurden noch für den Eigenbedarf angebaut: Roggen, Hafer, Mais, Hirse, Mischling, Kürbisse und ab 1939 als weitere feldmäßige Sonderkulturen Sojabohnen, Tomaten, Bohnen und Ölfrüchte, im Ersten Weltkrieg auch Möhren.

Entsprechend war auch der Viehbestand:

       49 Paar Zugpferde, dazu noch die Fahlen, die selbst aufgezogen wurden,
     240 Milchkühe
     200 Jungtiere
       40 Ziegen
     320 Muttersauen und Schweine
   1500 Gänse und Enten
        und etwa die gleiche Zahl Hühner und Tauben.

Auch die Bienenzucht fand ihre Liebhaber, und sie war bei den vielen Gärten in Damitz auch wichtig. So gab es zwischen den beiden Weltkriegen noch folgende Imker:

Josef Hawle im Wingl, Willibald Sieber im Wingl, Johann Sicher Hauptstraße, Franz Wieder Nr. 2, Albin Hanak Nr.40, Oberlehrer Zacpal und Pflster, Bahnwärter Damitz Tullnitz.

 

DAS BÄUERLICHE JAHR  –   SEIN ARBEITSABLAUF

 

Der Bericht über diese große wirtschaftliche Leistung wäre nicht vollständig, ohne unsere Gedanken auch auf den Arbeitsablauf des bäuerlichen Jahres zu lenken.

Der Bauernstolz
mit Pferd und Nachwuchs

Schon in den letzten Februartagen und im März begann die Feldarbeit mit Kunstdüngerstreuen, für die Saat Herrichten und Säen. Die noch feuchten Felder dampften um diese Zeit in der morgendlichen Sonne – auch ein Bild unserer Landschaft. Auf die Getreidesaat folgte das Rübensäen und das Kartoffellegen.

Im Nu war es Mai, das Disteljäten war dran, abgelöst wenig später vom Rübenhacken und -vereinzelnen. Nach diesen Arbeiten schmerzte der Rücken oft so, daß man nicht aufrecht stehen konnte.

Der Faden riß nicht ab – es mußten die Kartoffeln angehäufelt, das Heu gemacht und heimgebracht, der Weingarten gejätet und sonst gepflegt werden.

So fließt ein Arbeitstag in den anderen und schon war die hohe Zeit des bäuerlichen Jahres, der Schnitt, vor der Tür. Ab Anfang Juli gings nun mit Volldampf bis nach dem Dreschen. So ein Tag im »Schnitt« ist wert, hier festgehalten zu werden; nicht nur aus unseren letzten Jahren, in der alten Heimat, sondern auch aus früherer Zeit:

Bauernhof
Innenansicht

Zu Großvaters Zeiten, etwa um 1890 – 1904, hatte man noch Schnitter (»Mohder«) angeworben. Es waren Ehepaare aus tschechischen Gemeinden, (manchmal auch Deutsche aus Nordmähren). Sie kamen immer paarweise, ein Schnitter und eine »Henne« – so wurde die Ahnehmerin genannt –. Diese mähten von frühmorgens 5 Uhr, bis in die Nacht hinein.

Als später die Wellenmäher aufkamen, war diese schwerste Arbeit der Maschine überlassen. Was blieb, war noch immer Mühe genug.

Die Wellen mit einer Sichel aufnehmen und auf Strohseile (»Strohbandeln«) tragen, – meist die Arbeit der Weibsleute. Die Strohbandeln wurden von Schulkindern aufgelegt. Gerne erinnere ich mich, wie stolz ich als Bub war, hier auch wichtig zu sein. Einer der älteren Drescher mußte die aufgelegten Wellen mit dem Knebel zu Garben binden.

Wie schön war es oft, so ein Meer von Wellen auf einem großen Acker unter dem weiten blauen Himmel vor sich liegen zu sehen! Da viele unserer Felder weit vom Ort entfernt waren (z. B. hinter Tullnitz) blieben die Leute oft von früh bis abends auf dem Acker. Nur die Mägde und Drescherfrauen gingen um 11 Uhr heim, um das Vieh zu versorgen. Sie brachten dann das Mittagessen für alle aufs Feld. Wie herrlich schmeckte uns allen, nach soviel Bewegung und frischer Luft, nun das Essen und noch mehr der Schluck frischen Wassers aus dem irdenen Plutzer oder der Wein aus der Flasche. Und ebenso wohltuend und wohlverdient war die anschließende halbstündige Ruhepause. Jeder suchte vor der glühenden Sonne ein bißchen Schatten, der oft nicht da war. Zwei aufgestellte Garben mußten dafür herhalten. Die Luft flimmerte vor Hitze und es war die große Mittagsstille. Nach dieser Pause ging es wieder weiter, trotz Hitze und Müdigkeit bis zum Sonnenuntergang. Nur die halbstündige Jause brachte, wie vormittags das Gabelfrühstück, eine kurze Unterbrechung. Vor der Dämmerung fuhren oder gingen die Kinder und Mägde heim. Für die Männer begann jetzt noch das »Schiebern«, d. h. die Garben zu Neuner- oder Dreizehner Haufen zusammengetragen. Diese »Neuner« wurden oben mit der Reitergarbe abgedeckt, welche immer mit den Ähren zum Dorf liegen mußte.

War ein Gewitter zu befürchten, wurde diese Arbeit fertig gemacht, auch wenn es manchmal bis 23 Uhr dauerte. In diesem Fall brachten die Mägde oder die Haustochter Wein und Kaffee, der nochmals die nötige Aufmunterung bringen sollte. Auch dabei war die Stimmung für allerhand Schabernack immer noch da – oder auch für ernste Betrachtungen zu mancherlei Tagesereignissen im kleinen Dorf daheim oder in der großen Welt. Kein Murren über Zuviel. Man vergrub sich in die Arbeit und war ohne Hetze.

Die Krönung dieser schweren Arbeit, sie dauerte je nach Wetter 2 bis 3 Wochen, war der »Schnitthahn« am darauffolgenden Sonntag. Es wird darüber im nächsten Kapitel unter "Unser ländliches Brauchtum" näher berichtet. Inzwischen ging es pausenlos weiter – mit dem Drusch.

In früheren Jahren, als noch mit dem Göpel und zum Teil mit der Dampf-Dreschgarnitur gedroschen wurde, mußte das Getreide vorher in die Scheune gefahren werden.

Leichter wurde es später mit der Anschaffung der kleineren Dreschgarnituren mit Benzinmotor auf jedem Bauernhof. Nun konnten die Garben vom Feld direkt zur Maschine gefahren werden. Wiederum mußten alle, oft auch die Schulkinder, mit anpacken, die Arbeitskräfte waren knapp um diese Zeit. Diese Arbeit war bei Staub und Hitze nicht sehr schön, besonders in der Scheune, wo der viele Staub nicht abziehen konnte. Im Freien hinter der Scheune oder im Stollhof war es leichter.

Auch dieser Großeinsatz dauerte 10 bis 12 Tage und schloß damit einen Höhepunkt der Jahresarbeiten ab.

Die Schilderung der bisher aufgezählten Arbeiten wäre aber unvollständig, wenn wir nicht auch die fast übermenschliche Leistung der Bäuerin hier mit anführen würden.

Sie mußte für die volle Verpflegung, nicht nur der eigenen Familie, der Knechte und Mägde sorgen, sondern auch für die der Tagelöhner (Drescher und Aushilfsarbeiter) und deren noch nicht erwachsenen Kinder. So kochte meine Mutter in der Ernte- und Druschzeit für insgesamt bis zu 30 Münder täglich! Sie betreute nebenbei uns Kinder, wir waren sieben, in anderen Familien nicht viel weniger, manchmal noch mehr.

Sie versorgte sämtliches Geflügel am Hof, und besonders die Aufzucht der Jungen (rund 40 – 80 Hühner, 30 Gänse und 20 Enten jährlich) erforderte unzählige Schritte. Auch die Fütterung der Schweine oblag ihr. Zu ihrer Unterstützung hatte sie in der Ernte- und Druschzeit lediglich die Tochter.

Und am Nachmittag fand die Mutter noch Zeit für den Hausgarten, für den sie in den Hochsommermonaten fast nur allein zur Verfügung war. Ihre Aufgaben waren ferner das Brotbacken im Backofen – alle 10 bis 14 Tage 16 bis 15 Laib zu je 5 kg –, das Gurken- und Krauteinschneiden, das Obstdörren.

Selbst in ihren erholsamen Stunden am Sonntag-Nachmittag, beim Erzählen und mit dem Flickkorb an der Seite, waren ihre Hände nicht untätig. Es war sicher ein tiefer Glaube, der unseren Bäuerinnen die Kraft verlieh, diese Aufgaben ihres Lebenskreises immer in ruhiger Ausgeglichenheit zu erfüllen. Nach Schnitt und Dreschen gab es für unsere Leute eine etwas ruhigere Zeit. Nur die Pferdegespanne hatten weiterhin vollen Einsatz. Schon Anfang oder Mitte August begann das Halmstürzen der leeren Getreidefelder und anschließend die Vorbereitung für die Herbstsaat. Vor und in diese Zeit fiel auch die Obsternte und deren Verwertung oder Verkauf. Ribisln, Marillen, Birnen und Äpfel, Nüsse und besonders viele Zwetschgen. Der größere Teil der Zwetschgen wurde zu Powidl verkocht. Dies geschah im großen Kupferkessel und dauerte zwei bis drei Tage und Nächte. Er mußte, unter ständigem Rühren, so weit eingedickt werden, daß er sich ohne Zucker jahrelang hielt. Zu dieser Arbeit kamen, besonders für die Abend- und Nachtstunden, oft Mädchen und Burschen aus der Nachbarschaft, so daß es an fröhlicher Stimmung und Helfern nicht fehlte.

Eine andere Herbstarbeit, an der ebenfalls die Jugend viel Spaß hatte, war das abendliche "Wazauslösen" in der Scheune. Bei spärlichem Petroleumlicht saßen 6 bis 10 Leute um den großen Haufen Maiskolben und entblätterten diese bis auf wenige Blätter. Von der frühherbstlichen Kühle spürte man schon nach kurzer Zeit nichts mehr, war man doch bald im Maislaub so tief begraben, daß es wie eine warme Decke wirkte. Dabei gab es nicht nur kurzweilige Unterhaltung, sondern auch ein bißchen Spannung: war es doch Brauch, daß, wer einen roten Maiskolben auslöste, seiner Nachbarin einen Kuß geben durfte.

Eine fast angenehme September-Arbeit war die Kartoffelernte, meist bei schönem Altweibersommerwetter. Wenn dann gegen Abend viele Dutzende volle Säcke am Acker standen und rundum die Kartoffelkrautfeuer brannten und rauchten, gehörte dies zum frühherbstlichen Stimmungsbild.

Ein wenig später, im Oktober, kam die Weinlese. Am frühen Morgen des Lestages, der im ganzen Dorf einheitlich war, fuhr der Wagen, der bereits am Vortag mit den gründlich gereinigten Bottichen, Mostratschen, Butten und Eimern beladen war, mit den Leuten in den Weingarten. Die Pferde waren mit "Glinseln" (Schellen) behangen; dies allein sorgte schon für eine besondere Stimmung. Wir Kinder hatten an diesem Tag schulfrei und waren mit großer Begeisterung dabei, durften uns sogar tags zuvor beim Taschner (unsere Gemischtwarenhandlung) für 3 Kreuzer einen Feitel kaufen. – Im Weingarten angekommen, bekam jeder Erwachsene seine »Kräften« zum Abschneiden zugeteilt. Die schönsten Trauben wurden zum Essen und Verschenken beiseite gelegt, die anderen in Butten zum Wagen getragen, wo sie durch die Mostratschen in die Bottiche gequetscht wurden. War der Bottich mit Maische voll, wurde diese ins Preßhaus gefahren und dort gleich ausgepreßt. Der Most kam in die Fässer, wo er seiner Gärung überlassen wurde.

Der Weinbau hat in den letzten Jahrzehnten nur der Eigenversorgung gedient; früher gab es in Damitz mehr Weingärten, doch mußten diese, wegen starkem Reblausbefall, vor dem Ersten Weltkrieg gerodet werden. Erst die neuen amerikanischen Unterlagen brachten wieder einen gesunden Weinbau in begrenztem Umfang.

Noch einmal viel und schwere Arbeit brachte die Zuckerrübenernte. Sie verlangte von Mensch und Tier oft äußersten Einsatz, vor allem bei regnerischem Wetter. Die Rüben wurden ausgeackert, anschließend von den Leuten abgekappelt. Sehr erschwert wurde die Abfuhr der Rüben nicht nur durch den aufgeweichten Boden am Acker und auf den Feldwegen, sondern besonders durch das oft stundenlange Warten am Mißlitzer Bahnhof, bevor man endlich zur Waage kam. In endlosen Kolonnen standen hier die Rübenfahrzeuge aus der ganzen Umgebung. Durch diese recht unrationelle Verlademöglichkeit konnte der Bauer, obwohl er bei dunklem Morgen schon losfuhr und wieder bei Dunkelheit erst heimkam, höchstens 3 bis 4 Fuhren täglich verladen. Ab 1938 wurde dann endlich auch an der Haltestelle Damitz-Tullnitz eine Verladerampe errichtet. Hier war der Andrang nicht mehr so arg.

Diese letzte Großaktion zog sich je nach Witterung bis Ende November hin. Als wertvolles Winterfutter dienten die Rübenkapseln (Blätter) zusammen mit den von der Zuckerfabrik zurückgelieferten Rübenschnitzeln (einsiliert).

Den Abschluß der Feldarbeit des Jahres bildete das Mistfahren auf die nächstjährigen Rübenäcker, sowie das Tiefackern der übrigen Felder. Sie blieben in rauher Scholle über den Winter. Meist ruhte sie bald darauf unter einer geschlossenen Schneedecke.

Selbst die ruhige winterliche Jahreszeit hatte ihre immer wiederkehrenden Verrichtungen.

Bis zur Einführung der Selbstbinder machten die Männer einige hundert Schock Strohbandln. Das war in der behaglichen Stallwärme und meist auch bei gegenseitigem Erzählen eine durchaus angenehme Arbeit.

Das Holzholen war für die Damitzer schon immer ein zeit- und kraftbeanspruchendes Unternehmen. Das Holz mußte erst an Ort und Stelle ersteigert werden. Nicht immer hatten sie das Glück, dieses im nahen Frischau-Probitzer Wald zu bekommen, viel öfter mußten sie es im »Waldhof« und anderen Kromauer Revieren erstehen. Dorthin waren es allein vier bis fünf Fahrstunden.

Schon um 5 Uhr früh fuhren die Männer bei völliger Dunkelheit los, die Pferde mit Schellen behangen, oft in tiefem Schnee. Nach 9 Uhr im Wald angekommen, ging es ans Holz-Schlagen und anschließend ans Aufladen. Während die Pferde dort gefüttert wurden, machten die Männer auf der Heimfahrt im Gasthof Gallina, auf der Station Wolframitz, eine kleine Rast. Und wieder war es dunkel, bevor sie heimkamen. Je nach gekaufter Holzmenge ging das ein bis zwei Wochen lang so weiter. Fast ebenso lang brauchte es, das Holz daheim zu verarbeiten.

Um die gleiche Zeit saßen die Frauen und Töchter in der warmen Küche, wochenlang damit beschäftigt, Wäsche und Kleider zu nähen und zu richten. Wurde doch das meiste für die Familienangehörigen selbst genäht. Auch das Schweineschlachten – am größeren Bauernhof war es meist viermal – und das Federnschleißen fielen gleichfalls in die Wintermonate.

Überdenke ich heute diese Unsumme Arbeit eines solchen bäuerlichen Jahres, dann war der Ertrag, den der Bauer zum Jahresende erübrigte, mehr als redlich verdient, erst recht der des Tagelöhners. Von diesem Ertrag ging nicht nur viel für die immer höher werdenden Steuern ab, sondern noch mehr für die Anschaffung immer neuer Maschinen, Um- und Ausbauten der eigenen Wirtschaftsgebäude, sowie manchmal für die Neuerstellung eines Bauernhofes für die erwachsenen Söhne.

So blieben unsere Dorfleute, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, genügsam, dankbar dem Allmächtigen, der alles wachsen ließ, aber auch strebsam und fortschrittlich, besonders nach der Jahrhundertwende.

 

UNSER LÄNDLICHES BRAUCHTUM

In diesem Jahresablauf der bäuerlichen Arbeiten kam, bei aller Zeitknappheit, manch schönes Brauchtum zu seinem Recht.

So gingen am Neujahrstag die Schulkinder zu Onkel und Tanten, Großeltern, Godl und Göd (Taufpaten) und sagten ihr vorher gelerntes Glückwunschsprüchlein auf. Dafür gab es jedesmal ein paar Zehnerln.

Am Vorabend vor Hl. Dreikönig wurde das Haus und sämtliche Stallungen geräuchert und mit Weihwasser besprengt, wobei jedes Stück Vieh etwas gesalzenes Brot bekam. Am nächsten Tag schrieb der Hausvater das K~M~B über die Haustür.

Mehr oder weniger einen Abschluß der arbeitsruhigen Wintermonate bildete der dreitägige Faschingstanz vor Beginn der Fastenzeit. Der Sonntag gehörte vor allem der Jugend, am Montag kamen die Verheirateten zu ihrem Recht. Am Dienstag 24 Uhr wurde streng auf pünktlichen Schluß geachtet. Aber am Aschermittwoch nachmittag gab es für die Burschen im Gasthaus nochmals ein Heringsessen, oft auch den »Eierschmaus«.

In der Karwoche – Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag-Früh – »flogen die Glocken nach Rom«. Dafür mußten die Schulbuben zu den Läutezeiten ratschen gehen. Dafür wurden sie von den Bäuerinnen mit Ostereiern oder Geld belohnt.

Am Georgstag, 23. April, war die »Granitz-Schau« üblich. Zwei Gemeindevertreter im Ort und die übrigen in den Feldern, kontrollierten die Grenzsteine. Sie trafen sich dann am Abend im Gemeindewirtshaus, wo ihnen Bier und Würstchen gespendet wurden; dasselbe bekamen auch die jungverheirateten Männer des Dorfes.

In der Nacht vor dem 1. Mai oblag der Burschenschaft das »Maibaum-Stoßen«. Sie mußten fleißig sein, denn einen solchen bekam der Bürgermeister, der Vize, die drei Gemeinderäte, sowie der Oberlehrer und der Wirt.

Am ersten Sonntag im Mai war der Maitanz. Ein sehr beliebtes und sehr fröhliches Ereignis, besonders für die Jugend, die den Tanz bis in die Morgenstunden nutzte. – Denn in der Fastenzeit und auch im Advent gab es keinerlei Tanzunterhaltung, auch fanden um diese Zeit normalerweise keine Hochzeiten statt.

Letzter Kirtag vor
dem 1. Weltkrieg
Juni 1914

Ein Höhepunkt unter den Festen des Jahres war der Kirtag. Der Damitzer war im nahen und weiteren Umkreis besonders beliebt, weil er der erste war.

Schon viele Tage vorher begannen die Vorbereitungen hiefür. Die Frauen weißelten und putzten das ganze Haus. Dann gings ans Vorbereiten für die leiblichen Genüsse. Guglhupf und Flecken, letztere gefüllt mit Powidl, Topfen oder Mohn, wurden in großen Mengen im Backofen gebacken, alles aus bestem Hefeteig, an dem weder an Fett noch an Eiern gespart wurde. Gänse und ein Schwein wurden geschlachtet, und natürlich der beste Wein aus dem Keller geholt. Und nun konnten die Gäste von auswärts kommen! Auch die »Irten« (Burschenschaft), an ihrer Spitze der »Altknecht«, die für den Ablauf des Festes verantwortlich waren, trafen ihre Vorbereitungen. Es wurde der »Irtenwein« gekauft, der Tanzplatz hergerichtet, die Bühne für die Musikkapelle und die Bänke für die Zuschauer aufgestellt, ebenso der Tanzbaum.

Der Kirtag selbst hatte seit alters her sein genaues Zeremoniell. Am Sonntag vormittag ging die Burschenschaft zusammen mit dem Kriegerverein, von einer Musikkapelle begleitet, nach Irritz in die Kirche zum Festgottesdienst. Nachher mit Musik wieder nach Hause, wo am Kriegerdenkmal ein Kranz niedergelegt wurde. Anschließend ging es zum »Tafelstückl-Spielen« für die Ortshonoratioren. Währenddessen saß man daheim mit den Gästen bereits beim üppigen Festmahl. Die gute Rindsuppe, das Rindfleisch mit Kren, Schweinebraten oder Schnitzel mit Kartoffelsalat, sowie das junge Ganserl mit Kraut und Knödel ließ sich jeder gut schmecken.

Am frühen Nachmittag war das ganze Dorf auf den Beinen zum Tanzplatz. Die »Irtenmädchen« hatten sich inzwischen im Haus der Altdirn versammelt und wurden dort von der Burschenschaft mit Musik zum Tanzplatz geführt. Der Tanz fand immer unter freiem Himmel statt, in Damitz auf dem schönen, ruhigen Platz hinter dem Dorfwirtshaus.

Nach dem Einzug kamen zuerst die drei Ehrentänze der Irten, dann folgten die Ehrentänze der Burschenschaften aus den Nachbarorten. Erst nach diesem sogenannten »Aufziehen« wurde zum allgemeinen Tanz aufgerufen. Dies alles wurde von den um den Platz sitzenden Frauen mit großem und kritischem Interesse beobachtet und besprochen! (»host gsehn, der hot es zweite Stückl mit da... tanzt«).

Am Montag wiederholte sich die Reihenfolge der Tänze. Nur wurde diesmal am späteren Nachmittag zum Tanz der Männer aufgerufen; dies war für viele ein feierlicher Augenblick. Nachts tanzten dann die Verheirateten im Saal, die Jugend draußen am Tanzplatz, oft bis in die Morgenstunden, die im Juni schnell da waren.

Der Schnitthahn wurde am Sonntag nach Beendigung der Getreideernte gefeiert. Besonders geschickte Drescherfrauen machten vorher einen großen Erntekranz und einen Strauß aus den Ähren sämtlicher Getreidesorten. Gegen Mittag erschienen alle Tagelöhner festlich gekleidet bei den Bauersleuten. Die Überbringerin des Kranzes sprach, zu den »Hausleuten« gewendet, einen schönen, in Reime gefaßten Spruch und überreichte der Frau den Kranz, dem Herrn den Strauß. Dieser bedankte sich dafür, und auch für die viele und sauber geleistete Arbeit; die Frau verteilte Geschenke an alle Erntehelfer. Bei einem festlichen Mahl und einem guten Tropfen war bald die ganze Müh und Plag der letzten Wochen vergessen. Man trennte sich nicht allzu spät, denn der nächste Tag brachte wieder Arbeit. Der Erntekranz bekam seinen Ehrenplatz über der Haustür, wo ihn im nächsten Jahr der neue ablöste.

Nicht vergessen seien hier auch unsere beiden »Damitzer« Wallfahrten. Nach Maria Dreieichen ging es zu Pfingsten für drei Tage. Der Weg dahin wurde zu Fuß zurückgelegt. Von 5 Uhr früh bis 8 Uhr abends, betend und singend auf der staubigen Landstraße, war schon eine Leistung. Diese Wallfahrt hinterließ nicht nur bei den Teilnehmern einen tiefen Eindruck, sondern ebenso bei den Daheimgebliebenen durch den feierlichen Einzug der Heimkehrer. Sie wurden im Dorf von Gemeindevertretung, Feuerwehr, weißgekleideten Mädchen und fast den ganzen Dorfbewohnern empfangen und mit Musik zur Kirche nach Irritz begleitet.

Ebenso schön war die kleine Wallfahrt zu unserem Dorfheiligen Antonius. Seine Statue stand auf den Haidäckern. An seinem Tag, dem 13. Juni, pilgerten fast alle Damitzer bereits morgens um ½ 5 Uhr zu ihm. Nach der Andacht dortselbst ging es auf einem Fußsteig, durch die wogenden Felder, in die Pfarrkirche nach Irritz zu einem Dankgottesdienst.

An weiteren Wallfahrten, die von der Pfarrkirche Irritz aus unternommen wurden, so nach Lechwitz, Mariazell, Albendorf und anderen, beteiligten sich auch immer mehrere Dorfbewohner. Der Gruß der Heimkehrer von all diesen Marienwallfahrtsorten war immer »An schön Gruis von unserer liaben Frau«.

St, Nikolaus, den »Nikolo«, hörten wir mehr als wir ihn zu Gesicht bekamen. Kettengerassel, Schellenklingen und Gepolter vor den Küchenfenstern. Aber die fein geputzten Schuhe, vors Fenster gestellt, waren am nächsten Morgen mit Äpfeln, Nüssen, Feigen und etwas Backwerk gefüllt.

Der Tag des 24. Dezember war strenger Fasttag. Wir Kinder hatten nicht immer durchgehalten, dazu duftete es im Hause zu verlockend. Und so sahen wir dann, beim Aufleuchten der ersten Sterne, nicht das »Goldene Lampen«.

Zum Heiligen Abend soll hier noch einmal Dr. Ludwig Wieder aus seinem Heimatbuch zu Worte kommen:

»Wenn die ersten Sterne am Himmel stehen, geht der Heilige Abend ein. Die ganze Familie war vor dem Abendessen um den Tisch versammelt. Mein Vater stand in der Mitte und las das Evangelium vor: Im Anfang war das Wort. . . Daran schloß sich ein Gebet an. Da kam eine so weihevolle Stimmung über Jung und Alt, daß ich es nicht beschreiben kann, aber heute noch nachfühle. Wenn dazwischen noch Pistolenschüsse und das Knallen des Viehhirten hörbar wurde, erreichte die Weihnachtsstimmung ihren Höhepunkt... Da war noch Poesie drinnen, man war ganz wunschlos – ohne Geschenke.«

So die Weihnacht etwa um 1880. In unserer Kinderzeit hatte sich zwar schon einiges geändert, aber auch uns erfaßte dieser Zauber der dörflichen Weihnacht, wenn in der Dunkelheit die ersten Böllerschüsse ertönten, der Halter hornblasend und peitschenknallend durch die Straßen ging und sein Weib und die Ortsarmen von Haus zu Haus Gaben einsammelten. Dann kam das Christkind in Gestalt eines weißgekleideten Mädchens, die Kleineren mußten beten, singen und Fragen beantworten und bekamen dann vom Christkindl kleine Geschenke überreicht. Die letzte sehnliche Erwartung erfüllte sich nachher beim brennenden Christbaum in der guten Stube. Dort sangen und beteten wir und jeder fand in den Geschenken unter dem Baum seinen heimlichen Wunsch erfüllt.

Verhältnismäßig bald gingen wir zu Bett, denn um ½ 5 begann in der Irritzer Kirche die Mette.

Von Stefani bis Sylvester hatten die Knechte ihre »Vakanz«, von Neujahr bis Dreikönig die Mägde.

Neben diesen an den Ablauf des Jahres gebundenen Festen und Bräuchen gaben auch Hochzeit, Taufe oder Tod sowie auch die Vereine dem Dorfleben eine besondere Note.

Als Beispiel einer größeren Bauernhochzeit:

Es waren über 60 Gäste geladen. Am Vorabend gab es ein Ständchen für den Bräutigam. Am Morgen des Hochzeitstages wurde der Bräutigam mit seinen sämtlichen Verwandten von einer 12-Mann-Musikkapelle aus seinem Hause abgeholt und zum Brauthaus geleitet. Dort gegenseitige Begrüßung, kleiner Umtrunk, dann mit Musik zur Trauung und zum anschließenden Festgottesdienst. Wieder zurückgekommen, fand das Hochzeitspaar verschlossene Türen im Brauthaus. Sie mußten anklopfen. Von drinnen wurde die Braut gefragt, wie sie heiße. Damit sollte ihr ihr neuer Stand ins Bewußtsein gerufen werden. Jetzt öffnete sich die Tür ein wenig und es wurden zwei Becher – einer mit Wein, einer mit Wasser, herausgereicht. Wer den Wein bekam, von dem hieß es, der »würde später das Regiment führen«. Der nächste Brauch sollte zeigen, daß die junge Frau immer ein mitfühlendes Herz für alle haben würde: Eine volle Schüssel Backwerk schüttete sie unter die Zuschauer, besonders die Kinder.

Das anschließende Festmahl mit seinen traditionellen Genüssen aus Küche und Keller dauerte bei fröhlicher Unterhaltung mehrere Stunden. Abends spielte dann die Hälfte der Musikanten im Gasthaus für die Dorfjugend, die andere Hälfte im Hochzeitshaus. Den Burschen wurde eine Fleischmahlzeit, den Mädchen Gugelhupf und Kuchen ins Gastbaus gebracht. So nahm ein Großteil der Dorfbewohner an der Freude einzelner immer Anteil.

Ähnlich war es bei Geburten. Jeder nahm sie zur Kenntnis. Der Wöchnerin wurde eine Woche lang »Suppen getragen«. Ein erwachsenes Mädchen brachte täglich in einem Topf Rind- oder Hühnersuppe und Krapfen, die jeden Tag anders waren: Schneeballen, Zimertkrapfen, Eierkrapfen, Riegelkrapfen usw. Für die jeweiligen Geschwister köstliche Tage!

Die Taufpaten, Göd und Godel, blieben ihren Taufkindern zeitlebens verbunden. Der Gruß zwischen ihnen war »Wollkum, Göd«.

Starb jemand, wurde kurz darauf das Sterbeglöckl geläutet und tat damit allen Dorfbewohnern kund, daß einer der ihren für immer von ihnen gegangen ist. Er wurde im Trauerhaus aufgebahrt und zwei Abende lang kamen Freunde, Nachbarn und Bekannte und beteten an seinem Sarg. Gingen diese dann nach Hause, bekamen sie von den Hinterbliebenen einen Bissen Brot auf einem Teller gereicht, den sie mit einem »Vergelts Gott« annahmen. Dies sollte dem Toten zugute kommen.

Die Singmädchen sangen Totenlieder sowohl im Hause, als auch zum Begräbnis. Der Trauerzug blieb beim Irritzer Kreuz kurz stehen – ein Verwandter des Toten bat alle Trauergäste um Verzeihung, wenn der Tote jemanden beleidigt haben sollte. Ein Trauermahl nachher war üblich.

Für ein reges Vereinsleben hatten unsere schwer arbeitenden Dorfbewohner nicht viel Zeit.

1894 wurde die Feuerwehr unter dem damaligen Bürgermeister Job. Bauer gegründet. Er war zugleich erster Kommandant. Sie brachte nicht nur Hilfe bei Feuersgefahr, sondern trat auch bei vielerlei Anlässen sowohl ernster wie froher Natur in Erscheinung. Ihr jährlicher Ball in der Faschingszeit war »das gesellschaftliche Ereignis« im Dorf: nur für geladene Gäste und in sehr festlichem Rahmen.

Unter der Leitung von Lehrer Alois Dostal, Josef Huber und mir wurde 1921 der Turnverein gegründet. Wenige Jahre später war ein großer Teil der Dorfjugend begeistert dabei, nicht nur bei Turnen und Spiel, sondern auch beim Singen und bei Aussprachen über unsere völkischen Belange.

Die Theateraufführungen, meist in den Wintermonaten vom Turnverein veranstaltet, machten nicht nur den Zuschauern, sondern noch mehr und öfter den Mitwirkenden viel Freude. Auch auf eine Musikkapelle, mit anerkannt gutem Ruf, konnte unser Dorf stolz sein. Ihr Kapellmeister und Gründer war Josef Zibuschka. Außer ihm spielten auch noch seine drei Brüder in dieser allseits beliebten Kapelle mit.

 

DIE JAGD

Sie wurde von einer aus drei Bauern gebildeten Jagdgesellschaft ausgeübt. Franz Bauer 41 war langjähriger erster Pächter und damit Jagdleiter.

Der Jahresabschuß war beachtlich: 550 bis 600 Hasen, über 600 Rebhühner und nach 1930 gab es auch Fasane, die sich besonders durch den Anbau von Mais und Sojabohnen rasch vermehrten: als Schädlingsvertilger zum Nutzen unserer Landwirtschaft.

Ein richtiges Dorfereignis war die alljährliche große Treibjagd. Hierzu der lebendige Bericht unserer Landsmännin Anna Bauer:

Meine Mutter erzählte mir: »Als du geboren wurdest, am 5.11.1914 gegen Mitternacht, war draußen auf der Straße Lärm. Die Damitzer Jäger gingen von der Jagd aus Irritz heim«.

Der November ist ein grauer Geselle unter den Monaten, mir war er der liebste. War doch da mein Geburtstag und die Hauptjagd in Damitz.

Die Damitzer Gemarkungen weisen keinen Wald auf. Es gab viel Niederwild: Feldhasen und Rebhühner. Ein Ausspruch ist mir noch heute geläufig, den ich als Kind oft in unserer Gaststube hörte: »Jessas Reh« sagte man, wenn etwas Besonderes vorkam, Ich glaube nicht, daß es Jägerlatein war, es war schon Tatsache: Bei so einer Treibjagd kam aus dem Frischauer Wald ein Reh in den Trieb. Der Jäger, der zum Schuß kommen sollte, war so erschrocken, daß er das Gewehr fallen ließ und rief: »Jessas Reh!«.

Nun zur Hauptjagd:

Am frühen Morgen ging es bei uns im Gasthaus schon geschäftig her. Um 8 Uhr kamen die ersten Jäger aus Damitz, Irritz und Tullnitz. Mit Pferden und Kutschen kamen die Jagdherren aus Kleinseelowitz, Babitz, Wolframitz und Aschmeritz. Es hieß dann: »Die Drinnern san a scho do«. Die Jagdhunde waren voller Erwartung, hörten meist auf die Namen Treff, Lord, Waidmann, Arno und Tasso usw. Jagd-begeisterte Jugend hatte sich eingefunden. Sie machte die Treiber.

Der Franz-Vetter (Bauer) war jahrelang Jagdpächter. Wenn alles versammelt war, ertönte das Jagdborn. Es waren meist an die 80 Herren.

Die Resl-Basl, die Vronika-Basl und noch einige Frauen halfen meiner Mutter in der Küche.

Die schönste Erinnerung ist mir, wenn Vater, Kellner-Vetter und ich mit beladenem Wagen gegen Mittag in Richtung Tullnitz fuhren. Die Damitzer Felder »hinterm Bere« waren über Tullnitz hinaus und reichten bis an die Frischauer Grenze. Gleich hinter Tullnitz luden wir dann den Feldofen, Korb mit Semmeln, Würstel, ein Faß Wein, Gläser und einen Tisch mit Bank ab. Die Tullnitzer Kinder kamen gesprungen und schauten unserem Treiben zu. Der Kellner-Vetter machte im Würstelofen Feuer und schon sah man aus der Richtung Antoni-Acker die ersten Jäger kommen. Es war eine fröhliche Gesellschaft und es gab schon viel zu erzählen. Nach dem Imbiß und einem Glas Wein ertönte das Jagdhorn wieder und der größte Trieb begann. Hier kam manchmal aus dem Frischauer Wald ein Reh.

Um 5 Uhr nachmittags kamen die Jäger zum »Letzten Trieb«, so wurde das Mahl bezeichnet. Aus der Küche strömten ihnen schon herrliche Düfte entgegen. Im großen Saal brannte seit dem Morgen im Ofen das Feuer. Als alle Jäger an den weiß gedeckten Tischen Platz genommen hatten, wurde aufgetragen. In Schüsseln kam die Suppe mit Nudeln (die meine Mutter tagelang zuvor von 15 Eiern mit dem Nudelwalker selbst gemacht hatte) und obenauf etwas Safran, eine Würze, die heute in Vergessenheit gerät. Dann Rindfleisch mit Semmelkren und als nächster Gang Schweinebraten, wahlweise mit Weißkraut oder Kartoffelsalat. (Aus Kipflern!) Die Hunde wurden von ihren Herren mit versorgt und lagen nachher still und ruhig unter den Tischen. Als Trunk wurde Wein und Bier kredenzt. Zigarren wurden vom Franz-Vetter für erlegte Rebhühner verteilt.

Die Zeche übernahm die Jagdgesellschaft Damitz. Für die Köchinnen war es immer der schönste Lohn, wenn der eine oder andere Jagdherr in die Küche kam und das Essen lobte. Der gemütliche Teil war dann eine Tarockpartie. Erst nach Mitternacht kamen die Söhne oder Knechte der auswärtigen Jäger, um diese mit Kutschen (Pritschkerln) abzuholen. Auch sie wurden noch bewirtet und zum Schluß gab es noch einen »Schwarzen« (Kaffee) für alle.

Die Jagdbeute, meist 350 bis 400 Hasen, wurden am nächsten Tag im benachbarten Fleischerhäuschen an die Ortsbewohner verkauft.
Anna Bauer.

 

DER ALLTAG IN UNSEREM DORF UM DIE 20er JAHRE

Der dörfliche Alltag, welchen die eben beschriebenen Feste und Feiern des Jahres unterbrachen, wurde aber bestimmt von vielerlei uns ans Herz gewachsenen Kleinigkeiten, die es verdienen, hier auch festgehalten zu werden.

Unsere Dorfleute waren Frühaufsteher: kurz nach 6 Uhr öffneten sich die Hoftore, und die Pferdegespanne fuhren zu ihrer Feldarbeit. Ein wenig später ertönte das Hornsignal des Halters, und wieder öffneten die Bäuerinnen die Tore, und mit lautem Geschrei, halb fliegend, halb rennend, kamen die Gänse heraus. Der Halter trieb sie alle zur Dorfschwemme.

In früheren Jahrzehnten wurden so auch die Schweine, ja sogar auch die Kühe auf die Weide getrieben.

Für Musik am Hof sorgten weiter die zurückgebliebenen Hühner mit ihrem lauten Gegacker nach jedem gelegten Ei; am Dachfirst gurrten die Tauben.

Alle öffentlichen Bekanntmachungen besorgte der Gemeindediener durch Trommelschlag. Nicht nur amtliche Mitteilungen – sie waren nicht sehr zahlreich -, sondern auch z. B. »Beim Wirtshaus steht a Bauer mit Hödnitzer Kraut« und ähnliches.

Bis 1930 ging in der Dämmerung – im Winterhalbjahr – der Laternenanzünder und machte an den 5 Petroleumlaternen »die Ortsbeleuchtung« an. Und so auch der Nachtwächter, der letzte war der Stolz-Motz.

Jeden Samstag gingen die Dorfarmen zu den Bauern um ihre Almosen; dazu brauchten sie von der Gemeinde eine Bewilligung. Auch fremde Bettler klopften damals öfter an die Haustüren.

Die Eierfrau mit dem Korb in der Hand und der Butten am Rücken holte an ganz bestimmten Tagen die Eier ab.

Der Fleischhauer – er war zugleich Viehhändler – fuhr von Zeit zu Zeit mit dem Rad durch die Dorfstraßen und ließ dabei seinen großen Hund bellen, so daß jeder wußte, jetzt ist der Viehhändler da.

Laut bemerkbar machten sich auch die Pfannenflicker mit ihrem »Pfonna-Flicka-heee!« und fast immer hatte die Mutter einen irdenen Waidling zu verdrahten oder ein Blechhäferl zu flicken.

Auch der Reitermacher (Siebmacher) und der Scherenschleifer waren oft erwartete Handwerker vor der Haustür.

In den Wintermonaten kamen alljährlich auch die nordmährischen Weber mit ihren Stoffen und Spitzenklöpplerinnen aus dem Erzgebirge mit ihrer guten handwerklichen Ware.

Die Milchsammelstelle war besonders am Abend ein beliebter Treffpunkt zwischen Burschen und den Dorfschönen, auch auf der steinernen Brücke sah man sie oft beisammen stehen.

In den späten Abendstunden, oft bis in die Nacht hinein, zogen die Burschen in kleineren Trupps singend durch die Dorfstraßen; es war wie ein Schlafgesang für die bereits Zubettgegangenen.

Die Harmonie des dörflichen Alltags wäre unvollständig ohne unsere Vogelwelt gewesen.

Sie war bei uns sehr zahl- und artenreich.

Bereits Ende Feber, Anfang März begrüßten Hunderte von trillernden Lerchen den werdenden Tag und den Bauern bei seiner Ausfahrt aufs Feld. Die Haubenlerchen (Kotjodl) begleiteten ihn entlang der Straßen und Feldwege, ebenso die Stieglitze von Baum zu Baum fliegend. In der zweiten Aprilhälfte, wenn Baum und Strauch wieder grün wurden, hörten wir in den Gärten den pfeifenden Ruf des Pirols (»KuckuckVieraus« = »dem Kuckuck voraus«) und etwa 10 Tage später den Kuckuck selbst. Zahlreich waren in den Gärten auch die kleinen Singvögel, wie Meisen, Rotschwänzchen, Rotkehlchen, die vielen Grasmücken und andere.

Kein Bauernhof war vorstellbar ohne das liebliche Gezwitscher der Schwalben in Hof und Stall, während draußen in den Feldern die Grillen unermüdlich den Sommer verkündeten.

Den aufmerksamen Menschen entging auch nicht der stille abendliche Ruf der Wachtel in den Fluren und erst recht nicht das bis Mitternacht dauernde große Konzert der Kröten und Unken.

Das war noch ein Abendfrieden, wie ihn sich wohl unser Herrgott für seine Menschen gedacht hat....

 

UNSER FREIBAD

Von weittragender Bedeutung für Damitz und seine weitere Umgebung war die Errichtung des Freibades mit dem Turnplatz und seinen sehenswerten Anlagen drum herum durch Lehrer Ludwig Wieder in den Jahren 1929 bis 1931.

Ludwig Wieder, mein älterer Bruder, war damals Lehrer in Mißlitz. Ihm lag unser Volkstum, unsere engere Heimat und ihre Nöte schon immer sehr am Herzen. So ging er, nicht ahnend, was für eine Unsumme an Kraft, Zeit und auch Geld er brauchen würde, 1929 ans Werk. Doch hier will ich statt meiner »einen Damitzer« mit seinem Artikel im Südmährer Heimatbrief vom November 1951 zu Wort kommen lassen. Ich bedauere es sehr, daß ich nicht weiß, wer der Schreiber dieses Aufsatzes war. Wenn er noch unter uns ist, möge er auf diesem Wege meinen tief empfundenen Dank für diese treffende, gerechte Schilderung entgegennehmen.

»Zwanzig Jahre Freibad«.
Mitten in der südmährischen Ebene liegt Damitz. Mit Naturschönheiten kärglich ausgestattet, besitzt es um so fruchtbarere Felder, welche reiche Ernte brachten, aber auch viel Arbeit erforderten. Diese schwere Feldarbeit formte die Menschen. Die Damitzer waren schwere Naturen, vielfach einseitig nur auf ihre Arbeit eingestellt, mit wenig Sinn für alles andere. Aus dieser Einstellung ergaben sich manche Mängel, besonders der einer fehlenden Dorfhygiene. Zwar sorgte der Turnverein für geistige und körperliche Ertüchtigung, doch mühte er sich vergeblich um die Schaffung einer Bademöglichkeit.

Da trat 1929 Lehrer Ludwig Wieder mit seinem Plan zur Verschönerung seines Heimatortes in die Offentlichkeit. Als Idealist und Tatenmensch scheute er nicht die vielen Hindernisse, welche sich ihm in den Weg stellten. Er scheute nicht den Spott und Unverstand seiner Landsleute, nicht Mühen und materielle Opfer, sondern ging seinen Weg, bis er sein Lebenswerk vollendete.

Unter seiner Leitung verwandelte sich in den Jahren 1929 bis 1931 das verwahrloste hintere Dorfviertel völlig. Der Turn- und Spielplatz wurde vergrößert, wertvolle Anlagen (für einen Kindergarten bestimmt) angelegt. Anstelle der alten Gänseschwemme entstand eine Freibad-Anlage, die in ihrer harmonisch abgestimmten Zusammenwirkung aller ihrer Einzelheiten unstreitig zu einer der schönsten weit und breit zählt. Es war keine Nachahmung, sondern eine Neuschöpfung. Einmalig war die Brunneneinfassung, der Springbrunnen, der seine tausende Wasserperlenschnüre in der heißen Sommersonne wärmte, neu war die Planschrinne um das große Badebecken, in dessen oft zu heißem Wasser eine ungeahnte Heilkraft schlummerte, Heilkraft der tiefen Erde und des Himmels zugleich.

Wer kann je den schönen Anblick des reichen Blumenflors von Salvien, Löwenmaul, Gladiolen, Dahlien, die sauberen Grünanlagen vergessen, der von dem trefflichen Bademeister, Herrn Kellner, wie eigene Kinder behandelt wurde. Unvergeßlich ist auch der Ausblick vom Dach der Erfrischungshalle auf das weite, gottgesegnete südmährische Land. Diese Schönheit und diese Reinheit verschmolz hier zu einer glücklich gelungenen Harmonie, die wohl das Gemüt eines jeden Menschen erfreuen mußte. Dazu kommt neben den normalen gesundheitlichen Vorzügen eines Sonnen- und Wasserbades sowie des Schwimmsportes noch die besondere Heilkraft der Damitzer Quelle, die aus 91 m Tiefe hervorgeholt wurde. Sie wurde an den Universitäten Brünn und Wiesbaden untersucht und als radioaktive sulfatisch kohlensauere Stahlquelle festgestellt. Weit über 10 000 Besuchern brachte diese im wahrsten Sinne ideale und hygienische Einrichtung Erholung und, dank ihres heilkräftigen Wassers, oft auch neue Lebensimpulse.

Es fanden öfters die Bezirks-, ja sogar Gau-Wettschwimmfeste dort statt, was beweist, daß das Bad allen Anforderungen entsprach.

Über die Entstehungsgeschichte dieses Bades könnte man ein ganzes Buch schreiben, es wäre vielleicht für manche objektiv denkenden Damitzer wenigstens für die Zukunft von Nutzen. Doch das würde zu weit führen.

Ein oft übermenschlicher Kraftaufwand, Opfer aller Art waren notwendig, um Schwierigkeiten technischer (wie das Versagen des Damitzbaches als Wasserspender oder die tiefe Brunnenbohrung) oder finanzieller Art und Widerstände von seiten der Gemeinde zu überwinden. Um so mehr erkennen wir heute in der Erinnerung an die schönen dort verlebten Stunden, daß Lehrer Wieder zu den besten Söhnen unseres Heimatortes zählte und seine Dienste für die leider verlorene Heimat unsere Achtung und unseren Dank verdienen. Zu der von Lehrer Wieder gut organisierten Bade-Eröffnung anfangs Juli 1931, bei der über 10000 Besucher waren, brachte der kürzlich vertorbene Dr. Wieder die trefflichen Worte: »Aus dem Kui-Ort ist ein Kur-Ort geworden«. Es weideten nämlich auf diesem Platz in früheren Zeiten die Kühe.
Ein Damitzer.«

Hinzufügen möchte ich noch, daß die oben erwähnten bedauerlichen Umstände meinen Bruder veranlaßten, sich 1934 in die Wischauer Sprachinsel versetzen zu lassen. Dort unterrichtete er als Oberlehrer bis zur Vertreibung und wirkte gleichzeitig unverdrossen für die kulturellen und völkischen Bselange der besonders gefährdeten Sprachinselorte. Seine Arbeit im Deutschen Kulturverband und als Dietwart im Turnverein war beachtlich. Nach der Vertreibung unterrichtete er zunächst in Oßweil, später in Ludwigsburg bis zu seiner Pensionierung. Diesen letzten Lebensabschnitt verbrachte er in Mannheim, wo er im Februar 1970 starb.

 

SELTSAME BEGEBENHEITEN   – SELTSAME LEUTE

Vom Krieg 1866 – die Preußen.

Als der Krieg zwischen Österreich und Preußen bei Königrätz verloren war, gingen auch damals die wildesten Gerüchte um, wie immer zu solchen turbulenten Zeiten. So hieß es auch, daß der Feind die Männer mitnähme. So packten auch mein Großvater und andere Männer ein paar Eßwaren ein und machten sich auf die Flucht. Sie kamen bis Dürnholz an jenem Tag und wollten bei einer Frau auf dem Heuboden übernachten. Die Frau fragte sie: »Ja, Männer, von wo seid ihr denn?«. Sie sagten: »Von Damitz!«. «Ja, habt ihr auch Frauen und Kinder zuhause?«. Sie bejahten dies. Da wurde die Frau aber ganz böse und schrie sie an: »Schämt ihr euch denn nicht, ihr überlaßt euere Frauen und Kinder dem Feind? Und ihr lauft davon?«.

Ganz zerknirscht machten sie sich noch in dieser Nacht auf den Heimweg. Der damalige Feind aber war so gutmütig, daß niemandem etwas zuleid getan wurde, (Im Gegensatz zum Feind 1945.)
                                                                                                                        Vom Lohnerschmied.

 

Der Pferdediebstahl.

Es war an einem Maimorgen der Achtziger-Jahre des 19. Jahrhunderts, da kam der Pferdeknecht zum Schlafzimmerfenster und rief aufgeregt hinein: »Ist denn der Hausherr mit den schwarzen Pferden fortgefahren?« Der Großvater (Hanak Ähnl) sprang mit beiden Füßen zugleich aus dem Bette, das ganze Haus war gleich auf den Beinen, die Rappen mit Geschirr und dem leichten Bauernwagen fehlten. Da es höchste Zeit war zum Zug gegen Brünn, wo diesen Tag Pferdemarkt sein sollte, nahm der Großvater über die Unterhose bloß den Mantel und eilig gings zur Haltestelle Damitz, die damals noch auf der Straße Damitz–Mißlitz lag. Auf der Haltestelle erfuhr er, daß der Bahnwärter dem gestohlenen Gespann die Schranken geöffnet hatte, beim Vorbeifahren die Pferde erkannte und noch nachrief: »Wohin so eilig, Hanak-Vetter?« Jedoch er erhielt keine Antwort, hörte aber noch, daß unweit der Haltestelle das Fuhrwerk hielt. Am nächsten Tag fand man dort alte Lumpen, mit denen die Pferdehufe eingebunden waren.

Im Gasthaus zur Sonne in Brünn berichtete der Hausknecht dem Großvater, daß in der Nacht ein Paar Pferde ankamen, doch da in Brünn kein Pferdemarkt war, gleich wieder weiter fuhren. Der Großvater erfuhr, daß in Chrudim Pterdemarkt sein soll. In seinem Aufzug konnte er nicht weiter. So fuhr er mit dem nächsten Zug wieder heim, versorgte sich mit Geld und dem Nötigsten und fuhr bis nach Pardubitz (Böhmen). Dort erzählte er in der Bahnhofswirtschaft einigen Fiakern von dem Pferdediebstahl, schilderte ihnen, wie die Pferde aussahen. Doch diese haben ihn tüchtig ausgelacht und gehänselt, er solle nur heimfahren und dem Knecht, der in der Nacht im Stall schlief, ein gutes Trinkgeld geben, die Pferde aber bekommt er nimmer. Der Großvater zeigte gute Miene zum bösen Spiel, dachte sich, wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott nicht zu kümmern.

Da geschah es, daß der Fiaker, der ihn am meisten ausgelacht hatte, einen Passagier nach Chrudim bringen mußte. Auf der Straße dorthin überholte er ein Fuhrwerk, er sah den Pferden nach, es war kein Zweifel, dies mußten die gestohlenen Pferde sein! Nun fuhr er im schnellsten Tempo nach Chrudim, verständigte die Polizei und fuhr mit dieser dem verdächtigen Gespann entgegen. Als er vor dieses kam, stellte er sich mit seiner Kutsche quer über die Straße, damit jene nicht ausreißen konnten. Einer von den Dieben sprang vom Wagen und suchte das Weite. Der andere, ein gewisser Karl Dvorak und früherer Knecht des Großvaters, konnte mit dem Gespann festgenommen werden. Dann wurde der Großvater nach Chrudim geholt. Hier mußte er die Pferde nochmals genauestens beschreiben und wurde dann zu diesen in den Stall geführt. Als er bei der Türe stand, rief er sie beim Namen, sie wieherten und erkannten ihn gleich an der Stimme, ohne daß sie ihn sahen.

Diesen Abend mußte nun der Großvater noch zur Unterhaltung mit den Fiakern gehen, tüchtig tanzen und noch tüchtiger zahlen. Er sagte immer, diese Nacht hätte ihn 20 Gulden gekostet. Er hätte sich mit allen Auslagen fast neue Pferde anschaffen können. Die Polizei holte noch Erkundigungen beim damaligen Bürgermeister Johann Siegmeth, auch ein Großvater von uns, ein. Da alles auf Wahrheit beruhte, wurden ihm die Pferde übergeben. Er fuhr noch viele Jahre mit diesem Gespann zu Pfingsten nach unserem Wallfahrtsort Maria Dreieichen.

Das soll uns zeigen, wie ein Damitzer an seinem Zeug hing.

Mit den besten Heimatgrüßen an alle Bekannten die Nachkommen des
»Hanak-Ähnl«

So aus dem Heimatbrief der Südmährer April 1951

Goldene Hochzeit
Hanak Ähnl

 

               

Der Anton-Vetter

Er war alles, was man einen perfekten Gemeindediener nennen konnte. Er läutete dreimal täglich, genau nach der Uhr, die Glocke. Er läutete, wenn jemand starb, er läutete zweimal, wenn derselbe beerdigt wurde, und war immer zu haben, besonders wenn etwas abfiel, was immer es auch war. Seine Dienstobliegenheiten waren noch viel größer. Er war der Trommler, der alle gemeindlichen und auch privaten Verlautbarungen bekanntgeben mußte. Wenn die Pacht für die Gemeindefelder oder Stier-Ebergeld kassiert und alle alten Reste kassiert wurden. Das war immer zwischen 12 und 1 Uhr an verschiedenen Standorten im Dorf. Es kam auch vor, daß auch einmal außertourlich verlautbart werden mußte. Z. B. »Beim Wirtshaus steht a Bauer mit Hödnitzer Kraut« oder »Der Sauschneider is do« oder »A Bauer mit sauere Gurken is do« oder »A Monn mit Christbam is do«. Wenn er nicht da war, sprang auch einmal seine Schwester, die Nani-Basl, ein. Das war aber noch nicht alles. Er war noch Feldhüter, mußte Feldwege und Grenzraine in Ordnung halten und mußte Grenzsteine mit Kalk anstreichen. Als Feldhüter sagten wir einmal, er soll aufpassen, uns würden die Rüben gestohlen. Da aber unser Acker jenseits der Grenzsteine war, gab er mir zur Antwort: Das sei nicht sein »Konsistorium« (= Territorium).
Er war Vereinsdiener bei allen Vereinen, jeder, der etwas zu bestellen hatte, nahm den Anton-Vetter in Anspruch.
                                                                    Vom Lohner-Schmied.

 

Die Tauffahrt

Es war im Januar des Jahres 1920, ein strenger Winter mit viel Schnee, Da wurde meine Mutter, die Julie-Tante und die Sophie-Tante zur Taufe des ersten Enkelkindes nach Babitz eingeladen.

Der Vater ließ mich den Schlitten zurechtmachen, damit ich zu Mittag mit den drei Weibern losfahren konnte, was mich auch sehr freute. Ich machte schöne Strohsitze und, wie es damals üblich war, wurden als Fußwärmer auf der Herdplatte aufgeheizte Ziegelsteine gelegt. Julie-Tante mahnte mich noch, »mach die Ziegel nur ja recht heiß, damit wir nicht frieren!«

Die heißen Ziegel wurden noch in Säcke eingepackt, die Mutter und die beiden Tanten in ihre Ras-Pelze (schaffellgefütterte Mäntel) gehüllt und nun gings in feurigem Trab zum Dorf hinaus; die Pferde waren um diese Zeit ja ausgeruht. Weiter gings durch Irritz durch, über Dornfeld hinaus ... da roch es auf einmal so komisch, so daß ich sagte »da brandelt was, schaut mal«. Die Tanten meinten, »laß nur, es ist so schön warm«. Ich aber traute der Sache nicht und hob die Decke, die sie noch über ihren Beinen hatten – und schon kam mir eine Flamme entgegen! Die Weiber schrieen, konnten sich aber in den schweren Pelzen und vom Sitzen wohl etwas lahm, nicht schnell genug rühren, da packte ich schnell entschlossen eine nach der anderen und warf sie in den Schnee. Auch das Stroh mußte aus dem Schlitten, denn es brannte bereits alles, sobald es Luft bekam. Ursache: die überhitzten Ziegel. Das war eine schöne Enttäuschung, aus dem behaglich warmen Nest nun in den kalten Schlitten. Ganz erfroren kamen wir an, aber ein schnell gebotener Glühwein von Schwester Marie ließ bald Schreck und Kälte vergessen. Ja, ja, wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.
                                                        Edmund Wieder.

 

Sind mit der Beichte alle Sünden vergeben?

Als Volksschüler mußten wir um die Pfingstzeit zur Beichte nach Irritz. Es war an einem vorsommerlichen Nachmittag, als wir, etwa 10 bis 15 Buben, die einsame Straße nach Irritz pilgerten – mit den allerbesten Vorsätzen.

Der Straße entlang standen damals schon größere Kirschbäume, auf denen die ersten roten Früchte nicht nur schön leuchteten, sondern auch mächtig lockten.

Den halben Weg widerstanden wir noch, doch dann wurde die Versuchung zu groß. Zudem sagten wir uns, wenn wir die Kirschen jetzt essen, können wir ja nachher gleich beichten – und damit ist alles wieder gut. Und so kroch der größte Teil von uns auf die Bäume und labte sich an dieser ersten Köstlichkeit des Jahres. Wir beichteten dies auch und gingen mit gutem Gewissen beim.

Am nächsten Schultag kam der von uns ohnehin gefürchtete Oberlehrer Zacpal mit der Frage auf uns zu: »Wer hat gestern auf der Irritzer Straße Kirschen gestohlen?« (Uns hatte nämlich der Straßenwärter von weitem gesehen.)

Erstkommunion
Jahrgang 1930
Irritz-Damitz Tullnitz-Dornfeld

Ich weiß nicht mehr, ob wir alle geständig waren oder nicht, für den Oberlehrer war es ja ohnehin eine klare Sache. Und so mußten wir alle heraus vor das Podium. Herr Zacpal öffnete die Klassentür und stellte sich mit seinem berüchtigten Rahrstaberl davor. Und wir mußten im Gänsemarsch hinaus auf den Flur, wobei jeder einen deutlich spürbaren Hieb auf den Allerwertesten bekam. Als der Letzte durch war, erfolgte dasselbe umgekehrt, in die Klasse hinein. Und dieses ,»Vergnügen« mußten wir gleich dreimal durchstehen! Das Beichten alleine genügte also doch nicht!
                                                                        Ernst Wieder.

 

Das Kaiserjubiläum 1908

Kaiserjubiläumsjahr 1908 wurden die großen Kaisermanöver abgehalten. Da gab es auch Einquartierungen in unserem Dorf, alles war voll belegt von den schönen, schmucken 6-er Dragonern und Artillerie. Es war damals eine Sensation für uns: zwei japanische und ein chinesischer Offizier waren auch dabei. Am 2. Dezember 1908, zum 60. Regierungsjahr von Kaiser Franz Josef, wurde abends ein Fackelzug abgehalten. Am nächsten Tag wurden 3 Kaiser-Eichen im Ort gepflanzt, eine vor der Kanzlei, eine im Winkl und die dritte in der Grünau. Wir Schulkinder mußten jeweils eine Schaufel Erde in die Pflanzgrube werfen und bekamen dafür nachher jeder ein Paar Würstel. Bürgermeister Zeißel, damals Landtagsabgeordneter, gab diesem historischen Tag einen würdigen Abschluß.
Eine der drei Eichen, die anlässlich des Kaiserjubiläums gepflanzt wurden. foto g.h., 10/2000

                                                                    Edmund Wieder.

 

Siegmeth Richards und Huber Albins letzte Geigenstunde

    In »Winkel« vor'm Haus stehn zwa schene Silbertannen-Bam.
    Durt war mei Geigenlehra daham.
    Des wor a großa Bauernhof, durt wor a Leb'n
   do hots ollahand Vicha gebn.
    4 Roß, 14 bis 15 Rinda
   und Sau, an da Zahl a nit minda.

    Oba irts derf i nit vagessn
   a Gas ist a no do g'wesn
   de is im Hof umanonda maschiert,
   hot kost und ogschleckt wos interessiert.

   Bold hots gnoscht vom bestn Hei,
   hots wo an Hofer gsegn, wors a glei dabei
   und ban Tog und ba da Nocht,
   hot sie, de Gas, dos Haus bewocht.

   Da Haushund hot nix zum Lochn g'hobt
   wonn ihm hat de Gas ertoppt.
   Reißaus hot er g'nomma und is davon
   denn, hot er sich denkt, die kenn i schon.

   Just durt san mir hingonga
   und hobn beim Wieder-Lehrer Geignunterricht g'nomma.
   So san ma holt amol g'stondn auf da Gossn –
   manst de Gas hätt uns ins Haus nei lossn?

   Schen freindli hohn ma g'red auf ihr
   oba de Gas is g'stondn wia a Stier.
   So san ma zwa Schriat zu ihr gonga,
   aufg'regt worn ma, rot worn uns're Wonga
   bis nauf zum Ohr,
   oba de Gas is fest g'stondn unterm Tor.
   Ihrn Kopf hots ro gebn bis auf da Erd
   und mit ihre Haxn hots g'scherrt.

   Af amol mochts an Sotz und springt uns on
   mir hobn de Geign folln lassn, –
   und san auf und davon.
   I hab mi glei holba dasteßn,
   des wer i mein Lebtag nit vagessn.

   Mei hölzener Geign-Kostn hat irtz an Sprung
   und es Albin sei Geign liegt am Wosn rum –,
   Na, wos do hätt no alles kenna g'schehn –
   oba de Gas hot ma nimmermehr g'segn.

   Sie hat jo erreicht, was sie hat wolln,
   so bot sie sich draht, ganz vastohln.
   Mitn Geign-Unterricht wors für heit aus,
   traurig is a jeda gonga nach Haus.

   Oba des andermal geh i an ondern Weg,
   beim Grabn nauf und übern Steg.
   So bin i wirkli 's nächstemol maschiert
   und hob üba de Geignstund simuliert.

   Jessas, mir bleibt da Othem weg,
   irtz kimmt des Gasviech gor übern Steg;
   da hob i mi umdraht, owa gonz g'schwind
   und bi g'rennt wie da Wind,
   bi g'rennt, wos soll i euch sogn,
   so schnöll, wa mi meine Füaß ham trogn.

   Von da Geignstund hots uns vatriebn
   und de Gas is Siegerin bliebn.
   Gonz aus wars mitn geigna,
   dos hob i mir docht,
   oba de Gas hots
   no weita g'mocht.

   Die Kinda im Winkel,
   de hobn dos Viech kennt,
   wonn's sie's wo g'segn hobn,
   sans weit davon g'rennt.

   von Mathilde Nechwatal, geb. Siegmeth.

 

AUCH SCHWERE ZEITENGINGEN ÜBER UNSER DORF HINWEG

Schon eingangs, im geschichtlichen Teil dieses Buches, sind die Greuel und Verwüstungen, ja völlige Verödung unseres Dorfes durch die Hussitenkriege und später durch den 30jährigen Krieg erwähnt. Auch der Einfall der Türken bis in das Gebiet zwischen Thaja und March kam also bis vor unsere Tore und mag viel Angst und Unruhe über unsere Ahnen gebracht haben. Ebenso die napoleonischen Kriege, sie brachten die feindlichen Heere in den Jahren 1805 und 1809 zu uns. Der Durchzug der Preußen 1866 war dagegen harmlos. Im Ersten Weltkrieg war unsere Heimat durch unsere tapferen Heere vor dem Feind verschont. Dennoch brachte auch dieser Krieg auf Jahre Not und Armut.

Neben diesen Kriegen wirkten sich die seuchenhaften Krankheiten fast noch verheerender aus.

So wurde durch die Kreuzzüge 1196 die Pest eingeschleppt. Sie wütete mehrere Jahrhunderte, immer wieder auftretend, bis zuletzt 1684. Ganze Dörfer sind damals, auch in unserer engeren Heimat, fast ausgestorben. Nicht minder schlimm war die Cholera (Brechruhr). Sie kam zum erstenmal 1831 von Asien nach Europa und trat in den Jahren 1850 und 1855 wieder auf. Bei uns vor allem 1831 und 1832 sehr schlimm.

Auch eine Art Hochwasser mußten unsere Vorfahren noch fürchten; war doch unser Damitz von zwei Seiten, sowohl gegen Mißlitz wie gegen Irritz von Teichen eingeschlossen, die zusammen größer waren als das Dorf selbst. Hier nisteten in früheren Jahrhunderten viele Wasservögel und auch Fische sollen darin gewesen sein. Die Teiche werden bereits 1497 erwähnt. Es wird von einem Hochwasser 1874 berichtet, wobei Haus Nr.6 vom Wasser überflutet und zum Einsturz gebracht wurde und auch in Haus Nr.2 das Wasser eindrang, ebenso überflutete das Wasser die Felder, besonders gegen Kaschnitz zu und richtete viel Schaden an.

1910 war ein sehr böses Jahr: Anfang Juni gab es noch Spätfröste, aller Wein, Kartoffeln, Mais und viel Obst waren erfroren. Der Sommer dieses Jahres brachte dreimal starken Hagel über unsere Felder, so am 30. Mai, am 18. Juli und nochmals am 30.August, diesmal mit wolkenbruchartigem Regen.

1918 Frost am 6. Juni, wiederum Wein, Kartoffeln usw. erfroren.

1921 gab es böse Verluste in den Viehbeständen durch die schwere Maul- und Klauenseuche (mit Herzschlag). 5 bis 10 Stück Rindvieh beklagte damals mancher Bauer als Verlust.

Abnormal strenge Winter waren 1928/29 und 1940/41. Die Winter waren schneereich und brachten Kälte bis zu 32 Grad über Wochen hinweg. Hunderte Obstbäume, besonders Nüsse und Kirschen, und zum Teil auch das Wintergetreide waren erfroren. In Erinnerung ist mir noch, wie in diesem 40/41er Winter sehr viel Wild trotz Fütterung zugrundeging. So konnte man beabachten, wie die ausgehungerten Rebhühner von den Krähen zerhackt und gefressen wurden.

Im Herbst 1929 ging ein Wirbelsturm über Damitz, der besonders im Winkel ganze Scheunen abdeckte und Männer, die gerade vom Felde heimgingen, zu Boden warf.

 

DER ERSTE WELTKRIEG UND UNSERE GEWALTSAME EINGLIEDERUNG IN DIE TSCHECHOSLOWAKEI

Nicht über seine Vorgeschichte, seinen Verlauf usw. soll hier geschrieben werden, sondern nur über seine Auswirkungen auf unsere engste Heimat. Und doch muß manchmal auch das große Geschehen erwähnt werden, um das Ganze richtig zu verstehen.

Mitten in den dörflichen Frieden, in dem ein Arbeitstag in den anderen floß, schreckte uns die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgerpaares in Sarajevo auf.

Es war am 28. Juli 1914, gerade am Anna-Fest in Irritz. Die Wiener Regierung ordnete daraufhin eine Teilmobilisierung an. Sofort mußten mehrere Urlauber vom Fest weg zu ihren Truppen einrücken. Das kleine Serbien, hinter dem ja Rußland, Frankreich und England standen, blieb, trotz vieler Verhandlungen mit Österreich, ganz unnachgiebig.

So kam es am 1. August 1914 zur Kriegserklärung an Serbien, bereits am 28. Juli zur allgemeinen Mobilmachung. Sie wurde durch Trommelschlag ausgerufen und galt für alle Männer bis zum 38. Lebensjahr. Diese mußten sich in der Kanzlei abmelden und innerhalb 24 Stunden zu ihren Standorten einrücken.

Der damalige Bürgerrneister Cyrill Zeißel hielt eine Abschiedsrede, für viele die letzte. Die Frauen mit ihren Kindern waren dabei, es war herzzerreißend. Viele trösteten sich mit der Hoffnung, daß der Krieg mit den modernen Waffen in 4 Wochen zu Ende sein würde – doch er wütete über 4 Jahre.

Der Krieg breitete sich schnell aus und wurde sehr bald zum »Weltkrieg«.

Die Musterungen und Einberufungen nahmen zu, erfaßten bald alle Männer von 20 bis 60 Jahren. Es blieben fast keine Männer mehr daheim.

Die Zwangswirtschaft begann zu drücken. Die Requirierungen kamen in immer kürzeren Abständen. Getreide, Kanoffeln, Vieh und Heu mußten abgeliefert werden, Pferde wurden assentiert und für die Bauern Mahlscheine eingeführt.

Schon ab 1916 wurde selbst am Bauernhof vieles sehr knapp, mancher Bauer sah sich gezwungen, etwas Getreide schwarz mahlen zu lassen, doch dies wurde streng bestraft. So erging es zwei Damitzer Bauern in Mariahilf in der Mühle, denen alles Getreide beschlagnahmt wurde und die von der Gendarmene nach Pohrlitz ins Gefängnis abgeführt wurden.

Die Nachrichten über Gefallene häuften sich. Ab 1917 wurden auch die 18jährigen an die Front geholt.

Als traurigen Tag empfanden es unsere Dorfbewohner, als 1916 die Glocken aus dem Glöcklhäusl abgeliefert werden mußten. Sie sollten zur Herstellung von Kanonen dienen. Eine eiserne Glocke mit ganz fremdem Klang kam später als Ersatz.

Die Schulkinder mußten Brennesseln sammeln, aus deren Fasern damals Kleider hergestellt wurden.

Trotz der Ausdauer und Tapferkeit unserer Soldaten – der Hunger in ihren Reihen war groß, das Ungeziefer viel und die letzten Winter, besonders in den Karpaten und den Dolomiten bei mangelnder Winterkleidung eine fast übermenschliche Anstrengung – wurde die Front immer mehr zermürbt. Der Haß und das nationale Selbständigkeitsbestreben der übrigen Völker der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie sorgten dafür. Besonders nach dem Tod des 86jährigen Kaisers Franz Josef   am 21. November 1916 wurde die Wühlarbeit gegen die Wiener Regierung von den Tschechen, Südslaven, Polen und Ungarn immer mehr betrieben, bis 1918 der Zerfall der guten alten Donau-Monarchie nicht mehr aufzuhalten war.

Immerhin hatte sie ihren 56 Millionen Einwohnern jahrhundertelang ein gesundes, wirtschaftliches Miteinanderleben und gesicherten Rechtsschutz gewährt.

Aus der Monarchie entstanden am 31. Oktober 1918 die neuen Staaten Jugoslawien und Ungarn, die Tschechoslovakei bereits am 28.Oktober 1918. Am 12. November 1918 wurde die Deutsch-Österreichische Republik ausgerufen. Sie beanspruchte die Gebietshoheit über das gesamte deutsche Siedlungsgebiet, also auch über die heutigen Sudetenländer. Am 29. Oktober 1918 entschieden sich die Abgeordneten und sämtliche Bürgermeister Südmährens für den Anschluß an Deutsch-Österreich. Sie fanden dabei die Unterstützung der Abgeordneten des österreichischen Reichsrates. Abgeordneter Oskar Teufel gründete in Znaim den Kreis »Deutsch-Südmähren«, der sich am 3. November 1918 Österreich anschloß.

Obwohl Österreicher, wie Südmährer ihre Zusammengehörigkeit immer wieder bekundeten, wurde unsere Heimat mit Waffengewalt in den Tschechoslowakischen Staat hineingezwungen. Damit nahm der Weg in unser Unheil seinen Anfang

Erschütternd war die Heimkehr nach dem jahrelangen entbehrungsreichen Frontleben für unsere Soldaten. Viele von ihnen wurden auf der Station Mißlitz, die von tschechischen Uniformierten besetzt war, angepöbelt und ihrer militärischen Abzeichen usw. beraubt.Mit der Machtübernahme der Tschechen wurde die Kriegsanleihe für ungültig erklärt, das Geld abgestempelt und damit um 50% entwertet und die Vermögensabgabe in drei Ratenzahlungen vorgeschrieben. Dies hat jeden einzelnen sehr hart getroffen, da kein Geld mehr da war. Die Spareinlagen und Versicherungen waren über Nacht wertlos. Systematisch wurden die Deutschen durch die neuen Gesetze der Tschechen benachteiligt. So wurde unser geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet durch Aufteilung des Großgrundbesitzes (»Bodenreform«: Neubesiedlung nur durch Tschechen) mit fremdem Volkstum durchsetzt. Staatsposten wurden nur ausnahmsweise an Deutsche vergeben – zum Augenschein –, alle öffentlichen Ämter mit Tschechen besetzt. In unserem Dorf wirkte sich dies alles nicht so schlimm aus, weil es hier keinen Großgrundbesitz gab.

Viel schlimmer war es schon in den Nachbarorten Tullnitz und Kaschnitzfeld und Socherl. Durch die Zerstückelung der alten Monarchie wurde auch unser Wirtschaftsraum über Nacht zerschnitten. Viele unserer Erzeugnisse, besonders Weizen, Milch, Zucker und Wein konnten nicht, wie bisher, nach Wien abgesetzt werden. Wir wußten oft nicht, wohin damit. Den jungen Leuten, soweit sie nicht am elterlichen Hof bleiben konnten, war der Weg nach Wien verschlossen. Die neu eingeführte Weinsteuer war ein gezielter Schlag gegen die deutschen Weinbauern.

Unsere Intelligenz war zu einem sehr großen Teil brotlos.

Alle Proteste von unserer Seite, ja auch die spätere Mitregierung deutscher Parteien in Prag, änderten an all diesem Unrecht nichts. Von einer Selbstverwaltung der Deutschen, die die tschechischen Machthaber vor Gründung der Tschechoslowakei zu gewähren sich verpflichtet hatten, war nichts zu spüren.

In den dreißiger Jahren wurde es zwar wirtschaftlich etwas besser, doch der Kampf der Tschechen gegen alles Deutsche verschärfte sich immer mehr.

Das führte 1935 zum Zusammenschluß aller deutschen Parteien in der »Sudetendeutschen Heimatfront« unter Konrad Henlein, dem bisherigen Verbandsturnwart. Selbst der Name dieser Partei wurde von der Regierung mit der Begründung verboten, das sei nicht unsere Heimat, das sei nur die Heimat der Tschechen. Sie wurde kurz vor der Wahl 1935 auf »Sudetendeutsche Partei« umbenannt, und wurde trotzdem die stärkste Partei im Staate.

Dadurch und auch auf Drängen der damaligen Reichsregierung unter Adolf Hitler wurde die Welt auf unsere Probleme aufmerksam. Der englische Staatsmann Lord Runciman wurde zur Prüfung an Ort und Stelle ins Sudetenland geschickt. Sehr bald konnte er die tschechische Lüge, daß es kein geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet gebe, widerlegen. Und so kam es kurz darauf am 29. September 1938 zum »Münchener Abkommen« zwischen Deutschland, England, Frankreich und Italien, bei dem der Anschluß der Sudetenlande an das Deutsche Reich geregelt wurde.

Diese September- und Oktobertage 1938 waren für uns sehr spannend und aufregend. Mitte September war die Sudetendeutsche Partei verboten worden, ihre Amtsträger wurden verfolgt. Am 24. September verkündete die tschechische Regierung die Mobilmachung.

Nun wurde es für die einberufenen Männer sehr kritisch und gefährlich. Keiner folgte anfangs der Einberufung. Wir versteckten uns, zuerst in Maisfeldern, dann in Scheunen und Kellern. Die wenigen, die einrückten, bekamen keine Waffen mehr. Tschechisches Militär kam ins Dorf, auf mehreren Strohschobern waren Maschinengewehr-Posten. – Auf der Tullnitzer Straße mußten wir Panzersperren mit Walzen, Windmühlen usw. errichten. Jungen oder Mädchen versorgten uns mit Nachrichten in unseren Verstecken. – Unsere Pferde wurden auch eingezogen. Wir fanden sie erst nach dem Einmarsch der deutschen Truppen auf einem Gutshof am Laatzer Berg verwahrlost und ausgehungert wieder.

Am 10. Oktober 1938 marschierten deutsche Truppen in unser Südmähren ein. Sie wurden mit unbeschreiblichem Jubel empfangen. In unsere Heimat kam ein Erfurter Regiment. Die Tschechen zogen sich kampflos aus der in den letzten Jahren gegen den deutschen Süden gerichteten Bunkerlinie zurück.

Am Abend des Einzugs gab es im Gasthaus eine feierliche Begrüßung, dann eine Eintragung ins Protokollbuch und nachher ein großes Festessen, hatte doch jedes Bauernhaus eine Gans spendiert. Ein fröhlicher Tanz beschloß diesen Tag.

Den lang vermißten Bruder hätten wir nicht mit mehr Liebe empfangen, bewirten und beschenken können, als diese deutschen Soldaten.

Unser Dorfleben erfuhr damit fast über Nacht eine große Wendung. Die durch die Wirrnisse der letzten Wochen vernachlässigte Feldarbeit wurde mit Hilfe der deutschen Soldaten schnell wieder aufgeholt. Arbeit gab es sogar den ganzen Winter für alle. Es wurden Straßen gebaut, verbreiten und verbessert, in Mißlitz eine Obstkonservenfabrik errichtet und alles konnte abgeliefert werden, in jeder Menge. Tomaten, Bohnen und Ölfrüchte wurden erstmals feldmäßig angebaut. Die Burschen wurden in die SA eingegliedert, die noch jüngeren in die HJ. Wir alle lebten in dem Glauben, nun endlich den wohlverdienten, gerechten und langen Frieden zu haben.

Doch schon am 4. August 1939 mußten ich und viele andere zu einer vierwöchentlichen Waffenübung einrücken. Aus der Waffenübung wurde der Krieg gegen Polen und aus ihm der Zweite Weltkrieg.

Es gab in Damitz bis zur letzten Stunde keinen Überläufer und keinen Verräter.

 

DER ZWEITE WELTKRIEG UND UNSERE VERTREIBUNG

Wohl gab es in den ersten Jahren siegreiche Feldzüge und allgemein bewunderte militärische und menschliche Leistungen und eine innere Organisation, die fast 5 ½ Jahre erstaunlich funktionierte.

Schlagartig wurden die Lebensmittel- und Kleiderkarten eingeführt. Und wieder wurden alle in der Heimat entbehrlichen Männer zum Wehrdienst eingezogen – und wieder kamen bald die leidvollen Nachrichten über die ersten Gefallenen, an denen das ganze Dorf Anteil nahm. Die fehlenden Arbeitskräfte wurden durch Ostarbeiter und Kriegsgefangene ersetzt. Kinder aus den bombardierten Großstädten kamen zu uns. Unsere Kinder betrieben die Seidenraupenzucht, sammelten Maulbeerblätter. Die Bauern mußten die vorgeschriebenen Erntemengen abliefern; so auch von den neuen Sonderkulturen wie Raps, Sojabohnen, Mohn, Ölkürbisse usw. Die Bezirksabgabestelle bei Sofka 103 nahm alles Obst und Gemüse täglich an, von wo es am nächsten Tag durch einen Lastwagen nach Mißlitz oder Znaim abgeführt wurde.

Mit Stalingrad und den Bombenangriffen auf unsere Städte und Industrie wendeten sich Vormarsch und Siege. Auch der übermenschliche Einsatz unseres ganzen Volkes konnte der Übermacht von Feinden in der ganzen Welt nicht standhalten. Aus der Hölle von Stalingrad, die Abertausende Tote forderte, konnten drei Damitzer entkommen (siehe den Erlebnisbericht "Stalingrad" von Ludwig Sofka).

War unser Damitz über die ganze Kriegszeit von Bombenangriffen verschont geblieben, so mußte es doch in den allerletzten Tagen noch die Schrecken dieses Krieges erleben.

Die letzte Front wurde 10 km Luftlinie von uns, bei Mariahilf längs des Thaya-Flusses aufgebaut, wo Major Alois Dostal (unser ehemaliger Lehrer) Abschnittskommandant war. Am 7. Mai kam es dann zum Großangriff der Russen.

Es war an einem Montag – gerade während der Bittage – als während der Messe schon die ersten Bomben fielen. Die HI. Messe wurde sofort abgebrochen und wir gingen nach Hause, mußten uns immer wieder in den Splittergräben schützen. So griff eine Welle der russischen und englischen Flieger nach der anderen an, bis unser halbes Dorf in Flammen stand. Herr Cyrill Hanak, mein Gegenüber-Nachbar, wollte einer Flüchtlingsfamihe helfen, wurde zwischen der Haustür von einem Bombensplitter getroffen und fiel tot zu Boden. Vor meinem Haus lagen zwei Sechsspänner von Pferden tot auf der Straße. Die Durchgangsstraße von Irritz nach Mißlitz war der Hauptrückzugsweg. Einzelne Familien waren noch mit ihrem Pferdegespann auf der Flucht, kamen aber nicht weit, weil sie von den zurückflutenden Soldaten von der Straße verdrängt wurden. Von meinem Haus aus konnten wir sehen, wie von Leipertitz her flüchtende Soldaten quer über die ebenen Felder liefen und von den Russen wie die Hasen zusammengeschossen wurden. In den frühen Morgenstunden des 8. Mai tauchten die ersten Russen in unserem Dorf auf. Der an diesem Tag verkündete Waffenstillstand wurde unsere Rettung. Tagelang dauerte nun der Durchzug der Russen gegen Westen. Nach den Frontsoldaten kamen die Russen aus dem Etappenraum. Für sie waren wir vogelfrei: Alte Haustüren mußten offen gelassen werden, wo nicht, wurden dieselben eingeschlagen und alles, was ihnen gefiel, wurde mitgenommen oder zerschlagen. Besonders schlimm wurde es für unsere Mädchen und Frauen, die auch Freiwild für die Russen waren. – Einmal kamen wir von Aufräumungsarbeiten nach Hause – wir mußten tote Pferde begraben, es waren über 120 Stück, meist Wehrmachtspferde – dann war mein Hof voller Polizeihunde. Am nächsten Tag derselbe Hof voller Kühe; Hunderte – und sie brüllten vor Schmerz, da sie zu lange nicht gemolken worden waren. Da mußten wir Frauen zum Melken holen. Diese waren versteckt und nur durch gutes Zureden kamen sie doch zum Melken; die Milch konnten sie mitnehmen.

An einem Abend mußte meine Frau einigen Russen Hühner schlachten und braten. Meine Familie mußte sich mit ihnen zu Tisch setzen. Da war auch ein deutscher Kriegsgefangener als Viehtreiber dabei, ein langer Kerl, der immer stumm blieb. Der russische Leutnant neben ihm stammte von der Krim und konnte etwas deutsch. Er meinte, das sei ein armer Kerl, er sei stumm und könne nicht reden. Während die Russen nach dem Essen sangen und tranken, ging der Lange in den Hof. Ich ging ihm nach und fragte, was mit ihm wirklich sei. Da bat er mich um Zivilkleider, die ich ihm natürlich gab; am nächsten Tag war er verschwunden.

Frau Elisabeth Zeißel, die aus dem Fenster schauen wollte, wo es wieder einmal brenne, wurde durch einen russischen Scharfschützen getötet. Frau Anna Hawle und Tochter Rosa wurden durch Bombensplitter bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und Johann Hawle schwer verwundet. Der neunjährige Johann Zeger wurde ebenfalls tödlich verwundet.

Im ganzen kamen 5 Personen durch Bombeneinschläge ums Leben und 34 Häuser und Scheunen brannten nieder.

So wüteten die Russen: alles raubten sie, Vieh, Gänse, Hühner, Uhren, Fahrräder, Schmuck und vieles andere.

Nach ihnen kamen die tschechischen Partisanen – ein Räubergesindel ohnegleichen. Mit Gewehrkolben und Stahlruten drangsalierten sie die Leute, nicht zurückschreckend, auch auf alte Männer einschlagend, wenn sie nicht sofort ihren Willen bekamen.

Man fand nirgends ein Recht – trotz des eingesetzten tschechischen Kommissars. Jeden Tag zogen ganze Scharen von Tschechen durch die Dorfstraßen und suchten sich die Häuser, die ihnen paßten, aus. Bis sie eines Tages mit einem Dekret in der Hand erschienen und selbstherrlich verkündeten: »Von heute an bin ich der neue Besitzer. Es darf nichts mehr aus dem Haus getragen werden, alles wie es da steht und liegt, gehört mir«. Frauen und Kinder mußten ab nun, ohne Lohn, bei ihm arbeiten – eine untragbare Situation.

Die Männer wurden ins Lager nach Mährisch Kromau – in die alte Lederfabrik – gebracht und viele von ihnen nach Znaim vor das »Volksgericht«. Dort endlose Verhöre, selten ohne Schläge, primitivstes Lager, knappste Verpflegung und monatelanges Warten auf die »Gerichtsverhandlung«. Die Verhandlung bei dem Volksgericht begann mit der Verlesung: »Sie sind nach ... .. staatenlos, rechtlos und besitzlos....«. Daß nach solch einer Verhandlung fast alle zu mehrjähriger Zwangsarbeit verurteilt wurden, ist nicht weiter verwunderlich.

Die jeder Willkür ausgesetzten Familien sehnten sich schon sehr nach irgend einer Erlösung. Aus Nachbargemeinden wurden die Deutschen bereits nach Deutschland ausgesiedelt. Da in Damitz infolge der ganz primitiven Verscharrung von über hundert Pferden der Typhus ausgebrochen war, verzögerte sich unsere Vertreibung – »humane Aussiedlung« – noch. Der Typhus forderte nochmals vier weitere Todesopfer.

Anfangs 1946 wurde der erste Transport, meist Frauen und Kinder, deren Männer im Lager zurückgehalten wurden, nach Bayern ausgesiedelt. Der zweite und dritte Transport im März und Juni 1946 ging nach Baden-Württemberg.

Jeder Aussiedler durfte ein Gepäck von 50 kg mitnehmen, und das nur alte Kleider und Wäsche, keine Wertsachen oder ähnliches. Dieses Wenige wurde noch x-mal durchsucht, sogar Leibesvisitation gab es. Wir kamen ins Sammellager nach Deutsch-Knönitz im Schloß. Nach 3 Tagen wurden wir am Mißlitzer Bahnhof in Viehwagen verladen, auch die Schwerkranken, wie unser Altburgermeister Johann Bauer. Er starb dann auch kurz vor der deutschen Grenze.

Unser Transport ging über Brünn – Prag – nach Taus im Böhmerwaid, wo wir die deutsche Grenze passierten. In dem total zerbombten Deutschland über Nürnberg – Würzburg kamen wir in Seckach/Baden in einem Sammellager an.

Hier wurden wir von Dr. Pfarrer Magnani freundlich begrüßt. Was war das für eine wohltuende Empfindung, endlich wieder freundliche Worte zu hören! Nach 4 Tagen etwas beengtem Lagerleben, aber doch ordentlicher Verpflegung – dies umso anerkennenswerter, als ja auch hier überall nur noch Not und Armut zuhause war! – wurden wir auf die umliegenden Dörfer im Kreis Buchen aufgeteilt. Dort standen die Bürgermeister vor der fast unlösbaren Aufgabe, uns in die sowieso bereits überbelegten Häuser – waren doch schon viele Ausgebombte aus Mannheim und anderen Großstädten hier – unterzubringen. Es war ein sehr harter Anfang; überall fehlte es am Allernotwendigsten und, was wir noch schlimmer empfanden, es gab keine Arbeit, keine Lehrstellen für unsere Jugendlichen. So verging die schwere Anfangszeit mit Holz- und Beerensammeln im Wald, Ährensammeln nach der Ernte und Bucheckernsammeln im Spätherbst. Aus ihnen wurde das für uns so kostbare Öl gepreßt, das für uns goldeswert war. Sagten doch die Altbürger: »Immer zu einer Notzeit läßt unser Herrgott so viel Bucheckern wachsen«. Es war wirklich 1946 eine überreiche Bucheckernernte.

Nur allmählich besserte sich unsere Lage; viele von uns konnten zeitweise bei den Bauern Arbeit finden, andere beim Straßenbau. Erst mit der Aufhebung der Kontrollgesetze der Alliierten war es möglich, auch auswärts Arbeit oder Lehrstellen zu suchen, ab 1954. – Nun erst empfanden wir in vollem Ausmaß den ganzen Verlust unserer alten Heimat. Vorher war ein volles Jahr dauernde Not und Verzweiflung, die Unrast und Angst so groß, daß kaum einer zur Besinnung kam. Alles, woran unser Herz von Kindheit an hing, das Dorf, Haus und Hof, jedes Stück Vieh, dem unsere Liebe und Sorgfalt gehörte, der Garten, die Felder – all das formte ja unser Leben – war für immer verloren. Das Unvorstellbare, das wir nie glauben konnten, war grausame Wirklichkeit geworden.

Manch einem Älteren hat dieser Schmerz jeden neuen Lebenswillen genommen. Der größere Teil unserer Landsleute aber hat sich auch hier, meist in der Bundesrepublik Deutschland und Österreich, wieder mit großem Fleiß und Zielstrebigkeit emporgearbeitet, verwurzelte in der neuen Heimat, kam wieder zu einem Eigenheim. Aber nur ein ganz geringer Prozentsatz konnte hier wieder als Bauern anfangen. Ein gesundes Stück echten Bauerntums ging damit unserem Volk verloren.

 

 

STALINGRAD

Am 1. Oktober 1941 rückte ich als Rekrut in Mistelbach ein – 50 km von zu Hause. Nach einer sehr harten Ausbildung fuhren wir am 5. März 1942 an die Front nach Rußland. In Krischino, in der Nähe von Charkow, gingen wir in Stellung, gleich in die vorderste Front. Unser Marschbataillon wurde total auseinandergerissen, wir wurden innerhalb der 6. Armee aufgeteilt. Ich kam zur 13. Komp. 227. Regiment. Feldmarschall Paulus hatte den Oberbefehl. Die Front war bis zum 17. Mai bei uns ruhig. Jedoch 50 km von uns entfernt griffen die Russen in Massen an, durchbrachen die deutsche Front und drangen bei uns tief ins Hinterland ein. Unserer Armee kam das gelegen. Wir griffen am 17. Mai 1942 an und hatten die Russen bald eingekesselt. In meinem Frontabschnitt versuchten sie durchzubrechen – unsere Munition war schon am Ende –, da ergaben sich die Russen. Es waren 250 000 Mann. Für uns ging es weiter über Charkow, Woronesch, KIezkaja am Don. In Kalatsch setzten wir über den Don nach Richtung Stalingrad. Dort besetzten wir die Stadt zu 90 %. Wir kamen noch bis zur Höhe einhundertzwei, der wichtigste Punkt und der heißest umkämpfte Teil der Schlacht von Stalingrad.

An den Flanken von Stalingrad kämpften unsere Verbündeten, Rumänen und Italiener. Der Russe griff dort am 24. November 1942 an, und die Verbündeten liefen davon oder gingen in die Gefangenschaft. Und hinter uns war der Kessel zu. Hitler verbot uns den Ausbruch nach rückwärts und sagte uns Ersatz zu. Wir kämpften um jeden Quadratmeter Boden wie die Besessenen. Und das bei zuerst halbem und ab Januar 1943 Viertel Verpflegungssatz. Tag und Nacht flog unsere Luftwaffe für unsere eingeschlossene Armee Nachschub in den Kessel von Stalingrad – es war viel zu wenig. Der Ersatz kam nicht heran, die Front war von uns schon 300 km weg. Die Russen griffen ununterbrochen in großen Massen an. Vor unseren Linien lagen die toten Russen in Massen, auch wir hatten große Verluste.

Am 15. Januar 1943 aber fiel der Flugplatz Gumrak in russische Hände, damit ging es schnell dem Ende zu. Am 30. Januar 1943 räumten wir unsere Stellung und setzten uns in Richtung Stadtmitte ab, am 1. Februar 1943 gaben wir auf, denn die Munition war vollständig am Ende, ebenso die Verpflegung.

Verwundet wurde ich sechsmal, einen Splitter im Kreuz trage ich noch heute mit mir herum, die anderen Verwundungen waren unbedeutend. Ich hatte abnormales Glück.

Bei der Gefangennahme am 1. Februar 1943 erklärte ein russischer Offizier (polnischer Jude): »Wer verwundet oder krank ist, der soll seitwärts austreten, es kommt eine LKW-Kolonne, die fahren euch ins Lager«. Wir kannten den Schmäh, aber was nützt es, wir konnten unsere Verletzten nicht tragen, es waren ca. 1000 Mann; sie wurden erschossen. Unser Marsch ging bei ½ m Schnee ohne Straße 5 Tage bis Frolow. Nachts mußten wir uns im Schnee verkriechen, die Russen schossen dauernd auf uns. Während des Tages erhielten wir ein einziges Mal Verpflegung – 8 Personen einen Laib Brot. Etwa alle 100 Meter fiel einer um vor Entkräftung. Er wurde nicht weggeschafft, er wurde von der Bevölkerung ausgezogen und liegen gelassen. Im Lager kamen wir mit 11 000 Mann an. Dort waren 10 Baracken, ohne Fenster, ohne Betten, ohne Licht, ohne Waschgelegenheit und ohne Wasser. Zum Essen gab es pro Tag 100 g Brot, ein Viertelliter Suppe (Wasser). Täglich starben 100 bis 140 Mann an Unterernähnung und Ruhr. Am 7. Mai 1943 wurden wir verladen, wir waren nur mehr 750 Mann. Es ging nach Baskaja. Dort war es wesentlich besser, es starb nur mehr pro Woche ein Mann. Die toten Kameraden wurden nackt ausgezogen, auf einen Schlitten geworfen, ca. 20 Leichen, und außerhalb des Lagers abgekippt. Nach der Schneeschmelze mußten wir 10 cm Erde darüber geben. Registriert wurde keiner.

Im Juli 1943 ging es nach Nisdmy Tagil im Ural; das ist eine Millionen-Stadt, hat aber nur Baracken, keine Häuser, keine Straßen, und besteht nur aus Strafgefangenen. Die Transsibirische Eisenbahn geht dort vorbei. Wir lernten dort das Stachanow-System kennen, die brutalste Form von Ausbeutung. Zum Beispiel muß man, um die Norm zu erfüllen, 101 % Arbeit leisten, das heißt, man erhält die Normalverpflegung nur dann, wenn 3 Kubikmeter Erde ausgeschachtet werden, egal, ob 3 oder 5 m tief; gleichzeitig mußte der Aushub wegtranspartiert werden. Da diese Norm nie zu erfüllen war, erhielten wir 30 % Brot Abzug. Einen Abzug von einer Hungerration – und dann noch arbeiten, das war katastrophal.

Im September 1945 erfuhren wir vom Kriegsende – und daß er verloren sei; das erschütterte uns sehr, wo wir nur den siegreichen Vormarsch kannten. Mitte Oktober 1947 fuhren die Österreicher heim. Es wurden die Namen verlesen, wir erhielten einen Schlosseranzug und die inzwischen gebildete Lagerkapelle spielte: »Nach der Heimat möcht ich wieder«. Die Tränen flossen, besonders bei denen, die noch dort bleiben mußten, Am 9. November 1945 kamen wir in Wiener Neustadt an. Dort waren wieder Russen. Am nächsten Tag wurde ich in St. Pölten nochmals von einem Russen festgenommen. Der glaubte, ich sei Russe, weil ich vom Bahnhof in Russenklamotten zur Tante ging.

Von uns Stalingradern kamen 3000 Mann aus der Gefangenschaft heim. 91 000 Mann waren in die Gefangenschaft gegangen....

Heute betreibe ich in Salzburg ein Betonwerk, mein Bruder Alfred eine Karosserie-Spenglerei. Im heurigen Jahr besuchten wir 17 Tage lang nochmals Stalingrad. Es heißt jetzt Wolgograd. Die Höhe 102, dort wo ich seinerzeit kämpfte, ist unverändert geblieben. Daneben bauten die Russen ein riesiges Monument – eine Frau mit erhobenem Schwert. Wenn man dort steht, ziehen die alten Erinnerungen an einem vorbei und es ist, als wenn das Ganze nicht wahr gewesen wäre.
                     ;                                                  Ludwig Sofka, Salzburg.

 

DAS JAHR 1945

Das ganze Frühjahr Einquartierung. Die Front kommt immer näher. Täglich Kanonendonner; einen Tag mehr, einen Tag weniger. Dann steht die Front Dürnholz – Grusbach – Pollauer Berge. Nun kann man schon Gewehr- und Maschinengewehrfeuer unterscheiden. Die deutschen MG schneller, die russischen etwas langsamer. Panzer fahren zur Front, andere zurück. Manch einer hat einen Toten außen angebunden, ein anderer wieder ein totes Wild. Gefahren wird Tag und Nacht. Dann der 7. Mai 1945, ein düsterer Tag. An der Straße Pohrlitz – Znaim die ersten Fliegerangriffe auf fahrende Kolonnen. Wir stehen vor dem Hause und beobachten. In Mißlitz fallen die ersten Bomben, es brennt. Auf einmal ein Pulk über Damitz – die ersten Bomben fallen. Haus Nr.42 wird getroffen, der rückwärtige Teil des Hauses Nr.30 brennt. Wir gehen zum erstenmal in den Bunker. Eine Welle nach der anderen überfliegt den Ort; es wird fortlaufend bombardiert. Die ganze Bockzeile brennt – Haus Viktor Wieder brennt. Wir können den Bunker nicht verlassen – alles um uns Feuer und Rauch. Scheuer Franz Wieder brennt, zehn schwere Miiitärpferde verbrennen. Scheuer Cyrill Bauer brennt, Gewehr- und Artilleriemunition explodiert dauernd auf einem eingestellten LKW. Den ganzen Tag eine Welle nach der anderen. Unzählige Bomben fallen; zum Glück explodieren nicht alle. Ein Verwundeter mit Kopfschuß wird zum Bunker gebracht, später wieder abgeholt. Ein russischer Hiwi liegt bei uns im Bunker und weint und betet. Um sieben Uhr abends Totenstille, wir sind zwischen den Fronten. Einige fahren fort, wir bleiben da, andere gehen in die Keller, wir in den Bunker. Granatwerferfeuer bis in unseren Garten. Nachbars Scheuer brennt, es wird taghell. Es geht aber schnell zu Ende mit ihr. Frau Zeißel wird von Russen erschossen; sie wollte sehen, wo es brennt –, in solcher Situation gefährlich. Dann kommt der Tag – mit ihm die Russen.

Ich luge, als es etwas hell wird, aus dem Bunker und sehe den ersten berittenen Russen vorbeiziehen. Nach einiger Zeit holt uns ein Russe mit schußbereitem Gewehr aus dem Bunker. Wir verlassen ihn mit erhobenen Händen. Währenddessen wird unsere Speisekammer geplündert, Fotoapparat und Rasierzeug gestohlen. Russen ziehen den ganzen Tag auf Wagen, Autos, Kamelen, Elefanten und zu Fuß durch. Die Russen wollen Wein. Eine Batterie Feldgeschütze wird aufgestellt. Zum Glück wird in diesem Moment der Waffenstillstand verkündet. Wir hatten noch einmal Glück; das hätte ganz gefährlich werden können. Wir haben keinen Strom, kein Licht, nur Lichtschalen.

Nun kamen die schrecklichen Tage.
                                                    Vom Lohner-Schmied.

 

DIE TSCHECHISCHEN PARTISANEN

Die Geschwister Sieber hatten auch einen Partisan namens Preußner. Es war ein ganz versoffener Kerl. Die vier Geschwister hatten nichts Gutes von ihm zu erwarten, nur jeden Tag Schläge. So hatte er auch an einem Abend die Milli in die Küche gesperrt, wo er und andere Partisanen beisammen waren. Da haben sie gegessen und gesoffen, die Mllli sollte auch mittrinken, das tat sie nicht. So bekam sie mit der Peitsche Prügel, bis sie ganz blau und ohnmächtig war. Dann wurde sie mit Wasser beschüttet und wieder geschlagen. Erst in der Nacht konnte sie davonkommen. Josef und die Schwestern waren im Zimmer eingesperrt und konnten nicht helfen. Sie baten am nächsten Tag den Kommissar, er solle sie doch aussiedeln, gleich mit dem ersten Transport, damit sie von den Qualen erlöst werden....

Die Partisanen haben jeden Tag geplündert und in jedem Haus die Eier geholt. So sind sie auch in der Mittagszeit zum Stolz-Motz gekommen, und verlangten von ihm Eier. Doch der Motz wehrte immer ab, daß die Hühner alle mausern, schon alt sind und gar keine Eier mehr legen. Doch der Partisan verstand ihn nicht und ging nicht fort. Da kam die Lössl Basl dazu und sah, wie der Motz vor Angst schon zitterte. Sie fragte ihn, was der Partisan will. Dann machte sie einen Dolmetscher, obwohl sie nichts böhmisch kann. »Strezko mluvte: Slepiza stare, perschy vschezko prietsch, nic veicy sratky«, zu deutsch: »Vetter sagt: Hühner sind alt, die Federn sind alle weg, keine Eier scheißen«. Da mußte auch der Partisan lachen und ging fort ohne ein Ei, und der Motz ist gut davongekommen.

Am 7. Mai, als die Russen bombardierten und wir nicht wußten, wo wir uns verstecken sollten, haben sich die Sofka-Mädels und die Hawle-Basl mit den zwei Töchtern Anna und Rosa aufgemacht, mit ihren Wagen davonzufahren. Lauter Weiber, die Männer haben sie daheim gelassen. So sind sie am späten Nachmittag vollbepackt losgefahren, ohne Ziel, irgendwo hin, wo es keine Russen gab. So sind sie bis nach Kaidling in Österreich gekommen, wo wir immer übernachtet haben, als wir nach Maria Dreieichen pilgerten. Dort haben die Bewohner gesagt, daß die Russen auch schon da sind, da sind die Frauen wieder umgekehrt und nach Hause gefahren. Daheim hat beim Hawle der ganze Stadl gebrannt und der Hawle-Vetter hat immer Wasser getragen und gelöscht. Die Lössl-Basl kam halt überall dazu und sah den Cyrill beim Löschen. Da schrie sie ihm zu: »Laß doch den Stadl brennen, den kannst Du nimmer löschen«. ,»Ja«, sagt er, »von mir aus kann er abbrennen, wenn nur meine Familie wieder da wäre, alles andere wäre mir gleich«. Na, in drei Tagen kamen sie wieder mit Weib und Roß und Wagen, wohlbehalten zuhause an.
                                            Albine Baierl, geb. Lössl.

 

Ein Opfer tschechischer Brutalität

Für die sudetendeutsche Bevölkerung begann alsbald nach dem Zusammenbruch der deutschen Wehrmacht eine Zeit unermeßlichen Leides, eine wahre Schreckensherrschaft. Die schutz- und hilflose deutsche Bevölkerung war einem entsetzlichen tschechischen Terror ausgeliefert, der überall seine blutigen Orgien feierte, so auch in der kleinen südmährischen Gemeinde Damitz. Ihr bedauernswertestes Opfer war hier der Landwirt Viktor Wieder, wohnhaft im Hause Nr.140, der im ganzen Dorf als ruhiger, friedliebender, bescheiden und zurückgezogen lebender Mensch bekannt war und der unter den bestialischen Grausamkeiten tschechischer »Partisanen« langsam zu Tode gemartert wurde. Der nüchterne Tatsachenbestand ist kurz folgender:

Am 8. Mai 1945 wurde die Gemeinde Damitz im Zuge der letzten Kriegshandlungen durch die Russen besetzt. Zwei Wochen später kamen eine Bande wüster Gesellen, es waren 45 schwerbewaffnete Partisanen, ins Dorf, die sofort eine Razzia nach versteckten Waffen durchführten; dabei wurde geraubt, geplündert und die Leute auf das gröblichste beschimpft, geschlagen und mißhandelt.

Der Landwirt Viktor Wieder ging gleich zu Beginn der Waffensuche pflichtgemäß zum tschechischen Kommissar Cepera und meldete ihm unter Zeugen, daß er auch ein altes, schadhaftes Jagdgewehr besitze, dieses aber nirgends finden könne; dasselbe wurde auch den Partisanen gemeldet. Über den Verbleib des Gewehres könnten weder Viktor Wieder, noch seine Frau eine Auskunft geben, doch wird vermutet, daß es eine Polin, die zuletzt im Hause bedienstet war, versteckt hatte. Viktor Wieder selbst konnte über den Verbleib des Gewehres auch schon deswegen keine Auskunft geben, weil er schon Wochen vorher zum Volkssturm eingezogen war, und erst zur selben Zeit, als die Partisanen ins Dorf kamen, nach Hause kam.

Was für Folgen aber hatte die pflichtgemäße Meldung Wieders?

Gleich am nächsten Tag kam ein Haufen von ungefähr 20 Partisanen ins Haus. Unter rohestem, unflätigstem Geschimpfe und Gebrüll, dabei mit Stahlrutenhieben und Fußtritten nicht sparend, begannen sie das ganze Haus zu durchstöbern, konnten aber das Gewehr nirgends finden, erst spätnachmittags fanden es 4 Partisanen in der Scheune. Viktor Wieder wurde nun gleich an Ort und Stelle so geschlagen und mit Fußtritten traktiert, daß er ohnmächtig zu Boden sank. Ein Kübel kalten Wassers, der über ihn geschüttet wurde, brachte ihn wieder zu Bewußtsein. Nun wurde er unter ständigen Schlägen und Kolbenhieben ins Gasthaus getrieben, wo die Partisanen einquartiert waren. Dort wurde er in den Keller geworfen, wo 20 cm hoch schlammiges Wasser stand. Immer nach 3 Stunden wurde er von den Partisanen aufgesucht und derart geschlagen, daß seine Schreie bis in die Nachbarhäuser gehört wurden. Damit nun, namentlich in der Nacht, die Schreie des entsetzlich Gemartenen nicht gehört wurden, wurde der Motor eines Autos angelassen, gleichzeitig spielte ein anderer Partisan auf der Ziehharmonika. Die gräßlichen Mißhandlungen Wieders können von einem anderen Damitzer namens Karl Zeißel, der ebenfalls 8 Stunden im Keller eingesperrt war, bezeugt werden. Am nächsten Tag ging der alte Vater des Bedauernswerten zu den Partisanen, um den wahren Sachverhalt aufzuklären und die Freilassung seines Sohnes zu erwirken; er wurde aber unter Hieben mit Gummischläuchen und Kolbenstößen aus dem Gasthaus getrieben.

Während sein Mitgefangener Karl Zeißel nach 8 Stunden aus dem Keller entlassen wurde, war Viktor Wieder fast 3 Tage und 2 Nächte lang im Keller und den Mißhandlungen der Partisanen ausgesetzt, die ihn nach Aussage seines Mitgefangenen mit Gummiknütteln, Stahlruten, Gewehrkolbenhieben, Fußtritten bearbeiteten und ihm Messerstiche in Brust, Seite und Rücken versetzten, so daß er aus vielen Wunden blutete. Besonders in der zweiten Nacht hörten die Nachbarn und namentlich die gegenüber wohnende Kaufmannsfrau Nesnidal die ganze Nacht hindurch die Schmerzensschreie und das Stöhnen des Gemarterten. Erst am 3. Tag um 20 Uhr wurde der Arme, der sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte und fast ganz in dem eiskalten Wasser lag, aus dem Keller geschleift und unter ständigen Hieben und Kolbenstößen die Dorfstraße hinuntergetrieben. Dabei mußten ihn zwei Partisanen halten, daß er vor Schwäche nicht zusammenbrach. Es war sein letzter, sein Todesgang, der ihn auch in der Nähe seines Elternhauses vorbeiführte. Mit unsagbarer Wehmut schaute er zum letzten Mal die Stätte seiner Kindheit. Ungefähr 200 Schritte außerhalb des Dorfes wurde er auf der Straße nach Mißlitz durch 3 Kugeln in den Nacken und in den Kopf niedergestreckt und am Straßenrand liegengelassen.

Gleich nach ihrer blutigen Tat suchten diese Bestien die Frau des Gemordeten auf und befahlen ihr, das fetteste Schwein in das Gasthaus zu treiben, damit dort »nach Nemci-Art ein Totenmahl gefeiert werden könne«. Das Schwein wurde im Gasthaus geschlachtet und die ganze Nacht hindurch hielten diese Unmenschen unter gröhlendem Schreien, Johlen und Singen ein wüstes Saufgelage mit Tanz.

Frau Wieder wurde verboten, den Leichnam ihres Mannes nach Hause zu schaffen. Er sollte als abschreckendes Beispiel 24 Stunden lang am Straßenrand liegen bleiben. Dorfbewohner legten heimlich auf den fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leichnam Blumen, Kreuzln und Heiligenbilder. Erst am übernächsten Tag befahl ein russischer Offizier die Entfernung desToten.
                                                         ObI. Ludwig Wieder.

 

 

DAMITZ

   Damitz du mein Heimatort
   wo ich so lang gelebt,
   kenne Straßen und Wege dort
   und kenne jedes Feld.

   Seh' noch vor mir die Kreuze steh'n
   geschmückt von uns'ren Händen
   wenn wir vorbei des Weges geh'n –
   mit Ehrfurcht uns hinwenden.

   Die wogenden Felder, –
   die Ähren so schwer –
   dank der fleiß'gen Besteller
   und des ewigen Herrn.

   Oft flieh'n meine Gedanken hin in die Ferne
   weit in mein Süd-Mährerland;
   ich hab' es noch immer so gerne
   mein geliebtes Heimatland.

      Mathilde Nechwatal, geb. Siegmeth.

 

 

UNSERE HEIMAT

   (Zum Treffen des Jahrgangs 1914 in Ichenhausen)

   Heimat mei Heimat, wia hob i di gern,
   Trog die im Herzen, wia Pflammerl sein Kern.
   Wist nit wia i redat, wist nit wia ma war,
   Won nit mei Heimat mei anzige war.

   Furt ham ma miaßn, long is scho her,
   An unserm Schicksal hom ma trogn ole recht schwer.
   Oft hob i ma gsogt: »Bleib innerlich sche stad,
   Es hod jo so vül aus da Heimat vawaht«.

   Aus Preußen, Erzgebirg, Schlesien und Egerlond
   Und es gleiche Schicksal hom ma olle mitanond.
   Ner Mut und weida ta,
   Af da Wölt kimmt nix va ala.

   Won a de Kerschtn und Marüln do nit bleanan,
   Owa an de Leit wem ma si scho gwena.
   Und sechz Leit, so san ma 60 worn,
   Und innerlich in da Fremd doch nit dafrorn.

   A Herz horns jo a, de Schwobenleit,
   Und mit da Zeit hot uns is Lebn a wieda gfreit.
   Owa de Heimat es kinzas hern,
   De trog ma im Herzen bis ma sterm.

          Anna Bauer (Wirt-Anna).

Von einem Tschechen an einen Landsmann in der Bundesrepublik (als er noch nicht glauben konnte, daß man auch ihm seinen Hof nehmen würde):

   Mußt Du durch dunkler Trübsal Nächte wandern,
   so denke still, die Sonne scheint jetzt andern.

   Und wird sie Dir demnächst erfreulich scheinen,
   so wandern jene durch die Nacht und weinen.

   Eingesandt vom Lohner-Schmied.

 

BESUCH IN DER ALTEN HEIMAT (1963)

Haus Edmund Wieder
ca. 1934

So gespannt wir waren, die alte Heimat nach 18 Jahren wieder zu sehen, so enttäuscht waren wir.
Schon auf der Grenze Klein-Haugsdorf der hohe Stacheldrahtzaun und die Posten mit Maschinenpistolen vor uns! Dort wurden wir an der Sperre durchsucht. Nach kurzer Fahrt auf der alten Kaiserstraße begrüßten uns wohl von weitem die altvertrauten Lechwitzer Kirchtürme, doch das Land um uns herum machte einen sehr fremden Eindruck. Die Kaiserstraße war ganz wenig befahren.

Die Straße Damitz–Mißlitz ist von den im Jahre 1934 gepflanzten Nußbäumen vollkommen eingesäumt. Rechts und links der Straße nur ein Acker, alles zusammengelegt.

Im Ort angekommen, war uns alles fast fremd: Die Badgasse, Bockzeile, halb abgerissen, das Bad total verludert, die Häuser, einige neu eingedeckt, überall dreiteilige Fenster. Die sollten wohl die alte gemütliche Bauweise verwischen. Viele Wirtschaftsgebäude dem Verfall preisgegeben, die Kellergasse sieht aus wie die Grasl-Höhlen. Die meisten Preßhäuser abgerissen und aus dem Kellerhaus klafft ein verfallenes Loch, verwildert und mit Sträuchern ganz verwachsen.
Auf den Feldern haben sie sogenannte Windfänge ausgepflanzt.

Haus Edmund Wieder, links 1963, rechts im Oktober 2000. Farbfoto g.h. 10/2000

Am Platz vor Zeißel Albin (Grünau) mehrere Steinhaufen, von Brennesseln und Disteln überwuchert – kein schöner Wasen mehr. Zwischen Bauer Johann 26 und Bauer Ruppert eine Reparaturwerkstatt für Traktoren, davor soviel Gerümpel, daß eine Durchfahrt fast nicht mehr möglich ist.

Hinter den Stadln standen überall die ehemaligen Dresch- und anderen Maschinen der Witterung preisgegeben.
Das Kriegerdenkmal verstümmelt, die Namen der Gefallenen ausgemeißelt.
Auch das Schulgassel ist total verwachsen und nicht mehr begehbar.

Das Glöcklhäusel steht noch mit seinen Kriegsspuren – die eine Glocke wird nur als Sterbeglocke geläutet, sonst nicht.

Glöcklhäusl 1974
und 2000, Farbfoto: g.H. 10/2000


Die Neubesitzer von Haus Nr 7 und Nr.9 ließen uns durchs Haus gehen und freundlich war auch der von Nr.23.

Aus derm Gespräch mit ihnen war zum Teil ihre Unzufriedenheit zu erkennen. In mein eigenes Haus ließ uns der scheinbar immer noch wüste Rohling (wie 1945) nicht hinein, obzwar er zuhause war. So gingen wir nur außen rundherum. Die Kirche in Irritz ist ganz vereinsamt, hat keinen Priester. Der Friedhof vollkommen vernachlässigt, das Gras ist mannshoch. Nur einige Gräber sind von zurückgebliebenen Dorfbewohnern gepflegt.

Karten

Ortspläne:

Ortsplan Gemeinde Damitz
Die Grafiken wurden von den Söhnen von Edmund Wieder, Edmund jr., unserem heutigen Ortsbetreuer, Ludwig und Horst, angefertigt

                     


Zum Gedenken

58 Damitzer mußten in den beiden Weltkriegen ihr Leben hingeben.
Ihre Namen sollen unvergessen bleiben.

Die Gefallenen des Ersten Weltkrieges:

NameHaus Nr.NameHaus Nr.
Bauer, Franz Nr 41 Zeißel JosefNr. 48
Huber, Richard Nr. 73 Bauer PhillipNr.100
Bauer, Franz Nr.27 Huber,Georg Nr.73
Stolz, Jakob Nr. 20 Huber, Ruppert Nr.13
Sobota Franz Nr 15 Klima, Johann Nr.25
Mahr, Josef Nr. 64 Hanak, Cyrill Nr.56
Hawle, Johann Nr. 85

Die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges:

NameHaus Nr.NameHaus Nr.
Lohner, Johann Nr. 56 Hönlinger Emerich Nr.147
Lohner Josef Nr. 56 Bauer,ThomasNr.26
Treu Ruppert Nr. 59 Palat, Anton Nr.33
Zeger, Johann Nr.95 Palat, Heribert Nr.33
Palat, Rudolf Nr.74 Siegmeth, Richard Nr.45
Pankraz, Alois Nr.81 Bauer, Franz Nr.46
Stolz, Andreas Nr.86 Bauer, Friedrich Nr.46
Denk, Lorenz Nr. 96 Wieder, Gottfried Nr.2
Sofka, Josef Nr.103 Lohner, Johann Nr.4
Schaden, Karl Nr.107 Hawle, Johann Nr.9
Denk, Franz Nr. 96 Zeihsel, Otto Nr.10
Sobota, Franz Nr. 111 Zeihsel, Norbert Nr.10
Marzini, FranzNr.117 Hanak, JosefNr.12
Rössinger, Anton Nr.127 Hanak, Richard Nr.12
Tatschek, Josef Nr. 30 Sethaler, Anton Nr.18
Bauer,Anton Nr. 26 Stolz, Jakob Nr.20
Zeihsel, Andreas Nr 42

Infolge Bombenangriff während des 2. Weltkrieges in der Heimat ums Leben gekommen:

NameHaus Nr.NameHaus Nr.
Hanak, CyrillNr.102Zeger JohannNr.95
Zeihsel, ElisabethNr.92Wieder Viktor(von Tschechen ermordet)Nr.140
Hawle, RosaNr.47Hawle, JohannNr.132
Hawle, AnnaNr.47Lohner, AndreasNr.56

An Typhus gestorben

Wollinger, Amalia Nr. 87
Miksch, Hermine Nr.55
Wieder, Rosa Nr.140
Guttmann, Matthias Nr.87

Inunserem Gedenken lebt Ihr weiter, als treue Söhne und Töchter unserer verlorenen Heimat!



VERSTREUT IN ALLE WINDE!

Hausbesitzerverzeichnis der Gemeinde Damitz (Stand 1945) und die neuen Wohnorte nach der Vertreibung.

In der nachfolgenden Tabelle habe ich darauf verzichtet, die vollständigen Adressen einzusetzen. Der Verfasser wollte ja hauptsächlich zeigen, wohin uns das Schicksal geweht hat und wie weit unsere Dorfgemainschaft auseinandergerissen wurde. Ich werde noch eine Karte anfertigen, auf der die Verteilung noch eindrucksvoller dargestellt werden kann. Im übrigen kann ja eine aktuelle Adressliste jederzeit bei Ortsbetreuer Edmund Wieder angefordert werden. -Nov. 2000/g.h.

Haus-Nr.Bem.Namejetzige Anschrift bzw. 1. Wohnsitz
1Bauer Cyrill und FranziskaKailbach,Kreis Erbach (Hessen)
2Wieder Franz, Wendlingen, Kreis Nürtingen
3Hawle Cyrill u.Sophie Ehekirchen, Kr. Neuburg
4Lohner Johann u.Ottilie, Blankenloch,Karlsruhe
5Guttmann Norbert und Franziska
6Sieber ElisabethTittmoning / OBB.
7WiederAloisBuchen,Odenwald
8Hanak Franzzu 13
9Hawle ,Josef und MarieTraunreut
10Zeihsel StefanieBlankenloch, Karlsruhe
11Huber, Josef und TheresiaKlepsau, Kreis Buchen
12Hanak, ElisabethGroßkötz, Kreis Günzburg
13Huber, Josef u. MarieTüssling
14Huber, Jakob und RosaGauting
15Hanak, RosaAltheim, Kreis Buchen
15bBauer,Johann (zu 26)<
16Hanak, Anton und FranziskaBuchen, Odenwald
17Hanak,AntonBuchen,Odenwald
18Seethaler, RosaliaAltheim, Kreis Buchen
19Hanak, FranzBuchen,Odenwald
20Stolz, Jakob und MarieBuchen, Odenwald
21Hanak, Elisabeth(bew. v. Klima Elisabeth),<Hirschlanden, Kreis Buchen
22Hanak, Anton und RosaOftersheim
23Hanak, Anton und AnnaErbach, Kreis Ulm
24Bauer, Johann (zu 26(hier waren die Kriegsgefangenen untergebracht)
25Kornherr, Albin und SophieFürstenfeldbruck
26Bauer, Joh. u. MagdalenaWaldstetten, Krs. Buchen
27Bauer, RuppertBuchen, Odenwald
28Zeihsel, Albin und Leopoldine Blaubeuren
29Guserle, Franz (bew. v. Guserle Theresia und JandaJosef und Marie)Ehekirchen/Neuburg
30Tatschek, Josef und MarieGauting
31Taschner, OlgaAugsburg
32Gemeinde Damitz (Volksschule)<
33Pallat, Anton und FranziskaLaufen (Altersheim
34Kellner, Jakob und RosinaPalling, üb. Traunstein
35Siegmeth, Marie
36Huber, Robert u. MarieScheppach, Kr. Günzburg
37Nesnidal, Max u. AngelaWien XVI
38Bauer, AnnaHainstadt, Buchen
39Guserle, Franz und TheresiaWaldstetten, Kreis Buchen
40Zeihsel, PaulineMannheim
41Schmid Jakob und MarieWernau / Neckar
42Zeihsel, Andreas u. MarieErkheim ü. Memmingen
43tSieber, Josef und Geschwister Ludmilla, Marie, AloisiaLaufcn/Obb
44Hanak, Albin und Agnes(nicht ausgesiedelt)
45Siegmeth Richard u. JulieWaldstetten, Kr. Buchen
46Bauer, AnnaHainstadt, Buchen
47Hawle Anna (Sohn AntonNappersdorf, Österreich
48Zeihsel, Johann und TheresiaAltheim, Kr. Buchen
49Sofka, Johann und RosaPietling b. Fridolfing
50Hofner, Andreas und SophiaTullnitz (zu 7
51Willim, Agnes(nicht ausgesiedelt)
52Seethaler, Johann und LudmillaJettingen, Kreis Günzburg
53WiederFranz (bew.v. Nietsch Germelinde und Czech Anton)
54Breiner, Johann und Marie
55Miksch, Raimund und GenovevaEsting bei München
56Lohner, Andreas und RosaRiet, Kreis Vaihingen
57Nesnidal, MaxWien XVI
58Huber, Johann u.MathildeLegau,Kr.Memmingen
59Hanak, Johann u.TheresiaLegau, Kr.Memmingen
60Baar, Josef und ElisabethKarlsruhe
61Steiner, Josef und RosinaGrombach, Kr.Sinsheim
62Sethaler, KatharinaKlepsau, Kreis Buchen
63Sieber, Johann u. CölestineLegau,Kr Memmingen
64Huber, Johann und Theresia Lanzendorf, Kreis Kulmbach
65Hawle, Cyrill (bew. v. Bamboschek Anton
66Eisenbahn (Wächterhaus
67Eisenbahn (Wächterhaus
68Hammer, Leo und Lotte (nicht ausgesiedelt)
69Guserle Franz (zu 39)
70Roller und Theresia (Mißlitz)Jettingen
71Zibuschka, Franz und Anna bew. v. Bauer LudwigTittmoning
72Baar, Ignaz und ViktoriaHeidenheim (Brenz)
73Bauer, Johann und JulieKrautheim
74Bauer, Josef und Herma (Wien) (bew. v. Pallat Theresia)Ehekirchen, Kreis Neuburg
75Siegmeth, Marie (zu 35)
76Nesnidal, Max (zu 57
77Bauer, FranzKrautheim (Altershcim
78Sethaler, Jakob und Katharina Bruchsal (Altersheim)
79Gemeinde (Kanzlei)
80Huber, Anton und Marie Tittrnoning
81Pankraz, Wenzl und ElisabethWaldstetten, Kreis Buchen
82Guttmann, Johann und MarieHorrenbach, Kreis Buchen
83Gemeinde Damitz (bew.v. Luksch Albin und Rosa) Puch, Kreis Fürstenfeldbruck
84Hanak, AntonOberelchingen, Kreis Ulm
85Hawle, Josef und TheresiaAltheim, Kreis Buchen
86Stolz, Andreas und MarieDonebach, Kreis Buchen
87Wollinger, Franz und AmalieGerlinden, bei München
88Rohm, Johann u. HedwigBödigheirn, Kr. Buchen
89Zeihsel, TheresiaAltheim, Kreis Buchen
90Baierl, Josef u. Milie u. Mahr HansLaufen/Obb
91Straßenverwaltung (Mauthaus)
92Zeihsel, Karl und ElisabethHorrenbach, Kreis Buchen
93Wieder, Edmund und Aloisia Ilvesheim, bei Mannheim
94 Hawle, Johann und AnnaEhekirchen
95Horth, Matthias und Josefa Horrenbach, Kreis Buchen
96Zeihsel, Gyrill (Wien) bew. v. Denk Maria)Eubigheim, Kreis Buchen
97Sieber, Ludwig und TheresiaMarkt St.Florian, Österr
98Huber, Karl und TheresiaSiedlung Kay, P.Tittmoning
99Hanak, Franz und Josefa (nicht ausgesiedelt)
100Hanak, Johann und ViktoriaIchenhausen
101Baar, Josef und ElisabethLegau, Kr. Memmingen
102Hanak, Cyrill und Antonia
103Sofka, Matthias und Apolonia Horrenbach
104Sofka, Matthias (zu 103)
105Hanak, Albin (bew. v.Pallat Franz und Katharine)Thierhaupten
106Theilinger, MarieRoggenburg/Elisabethheim
107Schaden, Karl und Julie Altheim, Kreis Buchen
108Bauer, MarieGroßkötz
109Wenisch, Johann u.TheresiaAltbeim, Kr Buchen
110Lösl, Johann und KatharinaEhekirchen, Kreis Neuburg
111Swoboda, Franz u.LeopoldineDonebach, Kreis Buchen
112Friedrich, Andreas u.KatharinaChiming
113Frank, Karl und MarieEhekirchen, Kr. Neuburg
114Hanak, Johann und ElisabethPurkersdorf bei Wien
115Sobota, Konrad und SophieAltheim, Kr. Buchen
116Janda, Franz und MarieKarlsruhe
117Marzini, Wenzl und JulieBuchen
118Komenda, Stephan und JulieRosenberg, Kreis Buchen
119Lohner, Matthias und TheresiaHerrenberg, Schwarzwaldstraße
120Hanak, Andreas und HermineKornwestheim
121Huber, Albin und MariePfaffing, Kreis Laufen
122Zeihsel, Karl und ApoloniaNiedernhall
123 Klima, Johann und AnnaOsterburken
124Tatschek, Jakob und AnnaScheppach, Kreis Günzburg
125Luksch, Jakob und BarbaraMartinsdorf , Österreich
126Zeihsel, Cyrill und SteffiWien II
127 Rösinger, Anton und MarieDonebach, Kr. Buchen
128Zibuschka, Franz und AnnaTittmoning
129Luksch, Georg und JosephineIllereichen, Kreis Illertissen
130Seethaler, Josef u. AnastasiaRain am Lech, Kreis Neuburg
131Pallat, Josef und MarieRosenberg, Kreis Buchen
132Hawle, Johann und JohannaAltheim, Kr. Buchen
133Stolz, Johann und HedwigDüsseldorf
134Bogner, AnnaLegau
135Rohm, Leonhard u. LeopoldineWien, Osterreich
136Milchgenossenschaft Damitz (Milchhaus)
137Zeihsel, Pauline (bew. v. Hanak, Cyrill und Julie), Bergheim, Kreis Laufen
138Bauer, Engelbert u.MarieBödigbeim, Kr. Buchen
139Zeihsel, Andreas u. Katharina Babenhausen a. d. Günz
140Wieder, Viktor und Rosa
141Kellner, Jakob u. AnnaKirchheim b. Tittmoning
142Huber, MariePfaffing
143Stolz, Josef und MarieBuchen
144Tatschek, Josef und KatharinaLaufen
145Baar, Johann und AnnaHeidenheim a. d. Brenz
146Siegmeth, Matthias u. Katharina Blaubeuren
147Hönlinger, Emmerich u.MarieLegau, Kreis Memmingen


AUSKLANG

Dank dir, unbekannter Leser, der du bis zur letzten Seite dieses Buches Anteil an unserem Schicksal genommen und das Geschehen in unserer verlorenen Heimat mit Interesse ver­folgt hast!

Dank dir nochmals!
Möge dir deine Heimat als wertvolles Kleinod ans Herz gewachsen sein! Mögest du an ihr Freude und Zufriedenheit finden und möge sie dir erhalten bleiben!


Unser Aller Dank gilt dem Verfasser und allen, die ihm geholfen haben. Heute wäre es nicht mehr möglich, ein solches Werk zu schreiben, weil die Erinnerungen fehlen. So wie wir, meine Altersstufe (Jahrgang 1936) erst in unseren späteren Lebensjahren Zeit finden, uns mit unseren Wurzeln zu beschäftigen, so werden auch unsere Kinder und Enkel eines Tages fragen, woher sie kommen. Dank der Initiative von Edmund Wieder werden sie etwas finden!
Nov. 2000 /g.h.


Bei Herrn Markwart Lindenthal www.mitteleuropa.de bedanke ich mich für die Mühe, die er sich mit "Damitz" gemacht hat. Er hat die Seiten von Fehlern befreit, Ordnung in Tabellen gebracht und auch die Verweise vom Inhaltsverzeichnis zu den einzelnen Textabschnitten gelegt. Schließlich hat er noch mit seinen Ratschlägen geholfen, die Bilder richtig zu plazieren, auch wenn das nicht immer gelang,
09.11.2000, g.h.