Es ist mir ein sehr persönliches Anliegen, über Damitz und
seine jüngere Geschichte zu schreiben. Ich meine, dass nach mehr
als 50 Jahren, die seit diesen unseligen Ereignissen vergangen sind,
es an der Zeit ist, damit zu einem Ende zu kommen. Materielle
Forderungen zu stellen halte ich für sinnlos, es würde den
tschechischen Staat und seine Bewohner überfordern und den Weg
nach Europa verzögern wenn nicht für lange Zeit
unmöglich machen. (Allerdings lehne ich auch jegliche tschechischen materiellen Forderungen ab. Sollten solche Forderungen von Personen bestehen, hat der tschechische Staat wohl mehr als nur die moralische Pflicht, diese ohne Rück forderungen zu erfüllen.)
Wir müssen, jeder für sich und als Gemeinschaft einen Schlussstrich unter diese Vergangenheit machen und nach vorne sehen.
Es ist viel Unrecht getan und erlitten worden. Gelitten haben mehr Unschuldige als Täter.
Wenn wir dafür Sorge tragen, dass in unseren Ländern so etwas nie mehr passiert, haben wir mit dem, was uns wiederfahren ist, unsern Kindern und Enkeln, ein grösseres Erbe vermacht, als es der verlorene Besitz jemals gewesen wäre!
Im Prinzip ist das die eine Seite der Botschaft, die ich vermitteln möchte!
Die andere Seite ist die moralische.
Ein solcher Schlussstrich kann aber nicht
einseitig gezogen werden. Der Tschechische Staat und
wohl auch die Bevölkerung hat noch nicht begonnen diese Vergangenheit
aufzuarbeiten. Nach gültigem tschechischem Recht sind die Verbrechen, die an
der deutsch und ungarisch sprechenden Bevölkerung der Tschechoslovakei in den Jahren 1945 und 1946
begangen wurden, nach wie vor keine strafwürdigen Vergehen! Die tschechische Regierung und auch ihr Präsident
sollten endlich den Mut aufbringen, auch die tschechische Schuld
einzugestehen und Recht als Recht und Unrecht als Unrecht anzuerkennen.
Einzugestehen, daß die Tschechoslovakei nicht nur Opfer des deutschen
Faschismus war, sondern daß auch in ihrem Namen und auf Basis ihrer Gesetzgebung
schwerste Verbrechen gegen die Menschenrechte und gegen die
Menschlichkeit begangen wurden - und endlich die unmoralischen und rassistischen
Benesch-Dekrete und darauf aufbauende Gesetze aus dem Rechtswesen des
Staates entfernen.
In der Frage des Niederlassungsrechtes für Sudetendeutsche in
deren alten Heimat, sollte der tschechische Staat sich von mehr Vernunft
leiten lassen. Nach einem Beitritt in die EU besteht nach EU-Recht
ohnehin ein Recht auf eine Niederlassung in jedem EU Land, das heisst
auch für Sudetendeutsche in der CR. Diese Frage erledigt sich
dann von alleine, warum also nicht vorher schon eine grosszügige
Lösung zulassen? |